Durchwachsene Bedingungen, Reifen-Poker und Podium-Gold

 

Dieses Wochenende fand nun der lang erwartete Saisonauftakt der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft in der Motorsportarena in Oschersleben statt. In neuen Farben und mit neuer Fahreraufstellung war auch das EGS-alpha-Van Zon-BMW Team von Team Manager Werner Daemen wieder mit dabei. 

Die Wettervorhersagen ließen die Erwartungen für das Wochenende eher verhalten ausfallen, denn es war nicht abzusehen, was das belgisch-stämmige Team an diesem Wochenende erwarten würde. Neben Regengüssen sah man auf dem Wetterradar auch die Sonne scheinen. Alles war möglich. 

Der Trainingsfreitag sah mit einer zweiten Position für Ilya Mikhalchik (UKR) recht vielversprechend aus. Jan Mohr (AUT), der Neuzugang im Team, beendete den trockenen Trainingstag auf Rang 15. Teamkollege Pepijn Bijsterbosch (NED) belegte an Bord der BMW M 1000 RR die Position 16 und Tim Eby (GER), der als einziger im Team mit der BMW S 1000 RR unterwegs ist, Position 22.

Das erste Qualifikationstraining am Samstag musste aufgrund von Stürzen unterbrochen werden und bat den vier EGS-alpha-Van Zon-BMW Fahrern nicht so viel Zeit für die schnellste Runde. Mikhalchik qualifizierte sich nach einer dritten Position im ersten und einer zweiten Position im zweiten Qualifying auf den gesamt dritten Startplatz für das Rennen eins am Sonntag Vormittag. Bijsterbosch startete mit den Plätzen elf und fünf vom elften Startplatz aus ins Rennen. Der Österreicher Jan Mohr konnte sich mit den Position 13 (QP1) und sechs (QP2) auf den 13. Startplatz festlegen und Tim Eby startete vom 21. Startplatz aus in die erste Punkte-Session.

Am Sonntagmorgen schon zeigte sich ein bis dahin zwar raues, aber trockenes Klima von einer anderen Seite und bereits in den frühen Morgenstunden brachten die ersten Regentropfen etwas mehr Spannung in die Vorbereitungen auf das 18-Runden Rennen. Die zehn Minuten Warm up fanden als erste volle Session an diesem Wochenende im Regen statt, was für Jan Mohr mit einem Highsider endete. Glücklicherweise hat sich der 23-Jährige dabei nicht weh getan und auch die BMW M 1000 RR blieb größtenteils verschont. Auch für die drei übrigen Fahrer des Teams war besonders die Wahl der Reifen bei den schwierigen Bedingungen auf der Strecke eine Herausforderung. 

Ins erste Rennen startete das Feld der SBK1000 Klasse unter noch recht nassen Bedingungen, hatte es doch kurz zuvor noch geregnet. Es ließ sich aber schon erahnen, dass die Fahrbahn schnell abtrocknen würde, nachdem der Regen pünktlich zur Startaufstellung ausgesetzt hatte. Mikhalchik verlor beim Start ins Rennen eins vier Positionen und beendete die erste Runde auf Rang sieben. Bijsterbosch konnte sich zwei Positionen nach vorn arbeiten und beendete die erste Runde auf Position neun. Auch Eby arbeitete sich eine Positionen nach vorn. Am meisten verlor Mohr bei seinem Start ins erste Rennen. Nach Runde eins lag er nur noch auf Rang 18. 

Mikhalchik begann mit seiner Aufholjagd und in Runde sieben hatte er sich wieder auf seine Ausgangsposition, auf Position drei vor gearbeitet. In Runde zehn hatte der Ukrainer Max Moser (Team Bonovo Action by MGM Racing), Bastien Mackels (Team SWPN) und seinen Teamkollegen aus der letzten Saison, Vladimir Leonov (Team Hertrampf MO Yamaha Racing) vor sich. Acht Runden vor Zieleinlauf fiel Mikhalchik immer weiter zurück und musste am Ende auch noch Alessandro Polita (TEAM Holzhauer Racing Promotion), Dominic Schmitter (Team HESS Racing) und Julian Puffe (TEAM GERT56) an sich vorbei lassen. Er beendete das erste Rennen mit neun Meisterschaftspunkten auf dem siebten Platz. 
Bijsterbosch verlor insgesamt drei Positionen und kam hinter Florian Alt (TEAM Wilbers-BMW-Racing) auf Platz 14 ins Ziel. 
Mohr und Eby fuhren ein eher einsames Rennen in den Positionen 20 und 19. Am Ende musste sich Eby seinem Teamkollegen gegenüber geschlagen geben, obwohl er das ganze Rennen lang seine Position gut verteidigen konnte und ihn mit dem 19. Platz in der Tasche ziehen lassen.  

Das zweite Rennen startete nach erneuten und heftigen Regengüssen, mit dem Reverse Grid. Ilya Mikhalchik schoss aus seiner vierten Startposition heraus und führte in der ersten Kurve das Rennen an. Nach einem kurzen Positionstausch mit Alessandro Polita und Vladimir Leonov rutschte der Ukrainer auf Rang drei zurück und nach einem Überholmanöver von Florian Alt (TEAM Wilbers-BMW-Racing) auf Position vier. Doch bereits in Runde zwei konnte sich Mikhalchik wieder auf Position zwei vor kämpfen und in der dritten Runde des Rennens war der 24-Jährige an Leonov vorbei und führte das Rennen souverän bis zum Zieleinlauf an. Mit einer Bestzeit von 1’26.790 war der Stammfahrer des EGS-alpha-Van Zon-BMW Teams im zweiten Rennen unschlagbar.
Pepijn Bijsterbosch beendete sein zweites Rennen auf Position zehn und hat damit vier Positionen zum Startplatz 14 gut gemacht. Jan Mohr und Tim Eby fuhren auf die Plätze 15 und 16.

Das Rennen fand aufgrund der anhaltenden Corona Pandemie vor leeren Rängen statt. Zuschauer konnten die Rennen aber dank des sehr professionellen und umfangreichen Live-Streams der Veranstaltung auf Facebook, oder YouTube mitverfolgen. Der nächste Einsatz der Serie wird vom 11. Bis 13. Juni in Most, Tschechien stattfinden.
 

Ilya Mikhalchik, #37:
“Ich denke, das ist wirklich einer der emotionalsten und besten Siege, die ich bisher erreicht habe. Darauf habe ich seit 2019 gewartet. Wir haben sehr hart für diesen Sieg gearbeitet. Beim ersten Rennen hatten wir nicht die richtigen Reifen gewählt. Trotzdem bin ich da in den Top 10 gewesen und habe wichtige Punkte gesammelt. Beim zweiten Rennen waren wir besser vorbereitet und es hat gezeigt, auf welchem Niveau das Motorrad ist. Ich freue mich sehr und danke meinem ganzen Team für die harte Arbeit. Ich hoffe, dass wir weiter auf diesem Top-Level arbeiten werden.”
 
Pepijn Bijsterbosch, #55:
“Das erste Wochenende der Saison ist nach den viel zu wenigen Tests in der Vorsaison ganz gut gelaufen. Der Freitag war sehr schwierig für mich, aber am Samstag haben wir schon einen richtig guten Schritt machen können. Das Starterfeld ist wirklich sehr stark. Im ersten Rennen sind wir mit Regenreifen gefahren und das war die falsche Entscheidung, aber das kann ich nicht ändern. Im zweiten Rennen hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der Balance des Motorrades und ich konnte leider keine Plätze mehr gut machen zum Ende hin.”
Jan Mohr, #5:
“Ich möchte zu allererst gern dem ganzen Team meinen Dank aussprechen. Es macht mir großen Spaß im Team und alles ist sehr professionell. Am Freitag hatten wir ein paar Schwierigkeiten und durch die rote Flagge im FP3 nicht so viel Zeit uns vorzubereiten. Es war schwierig ein gutes Set up zu finden. Trotzdem hatte ich im Qualifying eine ganz gute Pace. Leider habe ich in meiner schnellsten Runde einen kleinen Fehler gemacht und ein paar Positionen verschenkt. Durch meinen Highsider im Warm up hab ich dann am Sonntag ein bisschen das Vertrauen verloren und dann waren die Bedingungen bei den beiden Rennen etwas unsicher für mich mit dem Auftrocknen der Strecke, einmal mit Regenreifen, einmal mit Trockenreifen. Da bin ich immer sehr vorsichtig. Beim nächsten Mal hoffe ich zeigen zu können, wozu ich wirklich in der Lage bin.”
Tim Eby, #17:
“Es war für mich besonders am Anfang dieses Wochenende ziemlich hart, weil ich im Winter auch kaum Zeit auf dem Motorrad verbringen konnte. Ich musste mein gutes Gefühl und auch das für die Geschwindigkeiten erst einmal wieder aufbauen. Zum Qualifying dann hatte ich ein ganz gutes Gefühl. Das Warm up heute war das erste Mal im Nassen mit diesem Motorrad. Die Rennen waren aufgrund der Bedingungen sehr schwierig für mich. Es war gut, dass wir im zweiten Rennen die Slicks gewählt haben. Ich habe dieses Wochenende wieder viel gelernt und Platz 16 ist auch nicht so schlecht für mich. Ich freue mich jetzt auf Most und dort weiter zu arbeiten.”
Werner Daemen, Team Manager:
“Mit Oschersleben und dem ersten Event der IDM Saison bin ich wirklich ganz zufrieden. Im ersten Rennen konnten wir den Schaden mit dem Reifen-Poker noch begrenzen. Im zweiten Rennen haben wir gesehen, was möglich ist. Wir haben relativ einfach gewinnen können. Allgemein bin ich mit allem zufrieden. Es waren wenig Stürze. Pepijn, Jan und Tim haben ihre Sache auch gut gemacht und am Ende gehe ich glücklich nach Hause.”