Für das Team Van Zon-Remeha-BMW stand am vergangenen Wochenende ein ganz besonderes Event ins Haus. Mit den Superbike-Piloten Jan Bühn (D), Arnaud Friedrich (D), Danny de Boer (NL) und Markus Reiterberger (D) war die Mannschaft im Rahmen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft von der GP-Strecke in Assen auf direktem Weg an den Lausitzring gereist. Dort war die IDM Superbike zu Gast bei der Superbike-Weltmeisterschaft WorldSBK und durfte im Rahmenprogramm zeigen, was auf nationaler Ebene in Sachen Motorsport so geht. Für Markus Reiterberger war das Wochenende gleich doppelt spannend, der BMW-Pilot war mit seiner vom Team aufgebauten BMW S 1000 RR und einer Wildcard neben der IDM auch bei der WM am Start. Und er sahnte auf der ganzen Linie ab. Zwei Mal landete er bei der WM in den Punkten, in Lauf 2 sogar in den Top Ten. Obendrauf packte er noch zwei IDM-Laufsiege und den vorzeitigen Gewinn der Deutschen Superbikemeisterschaft.

Markus Reiterberger hatte auf dem Lausitzring ein Mammut-Programm abzuspulen. Denn neben den beiden Läufen zur IDM Superbike trat der BMW-Pilot mit einer Wildcard bei der Superbike-Weltmeisterschaft an, was ihm und seiner Mannschaft vom Team Van Zon-Remeha-BMW alles abverlangte, denn sowohl das IDM-Bike als auch die WM-BMW wurden in Eigenregie von der belgisch-deutschen Truppe vorbereitet. Bevor es für Reiterberger mit dem Mega-Wochenende losging, gönnte er sich noch einen Tag Pause und genoss die freie Zeit bei einer Tour durch die heimischen Berge. «Klar ist der Druck groß», war ihm schon vorher klar. «Aber meine Mannschaft ist super, die haben echt Tag und Nacht geschuftet.»

Und Reiterberger bekam alles unter einen Hut und zeigte auch bei seinem IDM-Auftritt vollen Einsatz. In allen Trainings setzte er die Bestzeit. Auf das Abschlusstraining am Samstag, eine Stunde vor dem ersten IDM-Lauf verzichtete er. Immerhin hatte er an dem Tag schon alle Trainings, die Superpole und ein Rennen bei der Superbike-WM hinter sich gebracht. Immer gab es an dem Tag noch eine ordentlich Sektdusche. Mit einem lupenreinen Start-Ziel-Sieg eroberte er weitere 25 Punkte in der Meisterschaft und feierte entsprechend ausgelassen seinen achten Sieg in Folge. Sein neunter Streich folgte dann am Sonntag, zwei Stunden nachdem er in der Superbike-WM den Sprung in die Top Ten geschafft hatte. Vom Start weg dominierte er auch das letzte Rennen des Tages und schnappte sich nicht nur erneut den Sieg sondern fuhr damit vorzeitig seinen dritten IDM Superbike-Titel ein. Mit Wheelie und Burnout feierte der BWM-Pilot seinen Erfolg und wurde mit stehenden Ovationen von den Fans auf der Tribüne und dem Team Van Zon-Remeha-BMW gefeiert.

«Der Titel bedeutet mir viel», erklärte Reiterberger, nachdem sich der erste Trubel gelegt hatte. «Am Anfang des Jahres war ich echt am Boden. Aber mein Team hat mich total herzlich aufgenommen und inzwischen bin ich schneller denn je und das habe ich meiner Mannschaft zu verdanken. Das Rennen selbst war eigentlich ganz easy und ich habe von Anfang bis Ende einfach mein Ding gemacht. Mit so einem Vorsprung jetzt schon Meister zu werden ist natürlich optimal.»

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring Foto: Wiessmann

Danny de Boer hatte im Jahr 2016 seinen bisher größten Erfolg gefeiert. In der IDM Superstock 1000 holte er vorzeitig den Titel. «Leider hatte ich in der bisherigen Saison ein wenig Pech», erklärte der Niederländer vor dem ersten Training. «Mein Crash auf dem Nürburgring, den Fehler in Schleiz, den ich selber produziert habe und zuletzt der Ausfall in Assen wegen einer gerissenen Kette.» Das Pech blieb dem Niederländer auch beim IDM-Event auf dem Lausitzring treu.

Sechs Runden hatte er sich im Freien Training am Freitag abgemüht. Mit Schmerzen und getaptem Nacken. Doch es hatte alles keine Sinn, die Schmerzen im Nacken, verursacht durch einen eingeklemmten Nerv, waren zu stark. Damit war das Wochenende für de Boer gelaufen und er trat enttäuscht umgehend die Heimreise an. Seine Pläne für die beiden Rennen waren damit hinfällig. «Mir war ja schon vorher klar, dass Markus hier schnell sein würde», erklärt er. «Er hatte vorab einen Test und dann die WM-Trainingsläufe. Aber der Lausitzring ist eine gute Strecke für mich. Ich wollte Punkte auf meine direkten Verfolger in der Tabellen, Jan Bühn und Florian Alt, gut machen.» Daraus wurde nichts, mit Null Punkten musste de Boer die fünfte von gerade mal sieben Veranstaltungen abhaken.

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring Foto: Wiessmann

Jan Bühn präsentierte sich auf dem Lausitzring wieder topfit und hatte sich per Video auf das Rennen vorbereitet. «Ich mag das Layout dort», meinte er. «Mit den Wellen im Asphalt muss man halt schauen und das Fahrwerk muss man gut hinkriegen. Vor allem die lange Rechts im Infield ist arg hubbelig. Doch wir waren ja im letzten Jahr oft genug hier. Auf youtube hatte ich mir vorab eine schnelle Runde von Jonathan Rea angeschaut, da kann man schon ein wenig was bei der Linie abgucken. Auch die Superbike-Rennen habe ich mir angeschaut.»

Das erste Qualifying musste Bühn wie seine Kollegen wegen eines aus den Fugen geratenen Zeitplans kurz vor der Dämmerung angehen. Aber er blieb wie immer entspannt und nahm den späten Arbeitsbeginn mit Humor. «Wir sind das ja aus der Langstrecken-WM gewohnt», sein knapper Wetterbericht. Mit der drittschnellsten Zeit sicherte sich Bühn dann einen Startplatz in der ersten Reihe. Viel Arbeit gab es nach einem ausgezeichneten Start dann für Bühn im ersten Rennen. Auch wenn Kollege Reiterberger wie immer von de Spitze weg mit zunehmenden Vorsprung das Rennen bestimmte, rackerte sich Bühn als Führender der Verfolgergruppe ordentlich ab. Bis Platz 15 reichte in der Anfangsphase die Meute, die scharf auf seinen zweiten Platz war. In der vorletzten Runde war es dann Stefan Kerschbaumer, der noch eine Lücke nutzen konnte und sich an Bühn vorbeidrückte. «Ich hatte dann in der letzten Runde keine Möglichkeit mehr, Kerschbaumer anzugreifen», erklärt er. «Ich war am Limit und er zum Schluss einfach schneller.» Platz 3 für Jan Bühn.

Im zweiten Rennen hatte Bühn richtig zu tun. Nach einem guten Start reihte er sich in der Spitzengruppe ein. Doch vor ihm waren sich zwei Konkurrenten nicht ganz einig, ein Unbeteiligter stürzte und Bühn musste ausweichen und den Notausgang nehmen. «Ich bin dann im Oval gelandet», schildert er, «musste durch die Reifen-Schikane und am Ende stand ein Stoppschild.» Als Letzter kehrte er auf die Strecke zurück und bot anschließend eine sehenswerte Vorstellung, die ihm Platz 10 einbrachte. «Eine Runde hätte ich noch gebraucht, dann wäre es sogar Platz 9 geworden», so Bühn. «Für die Meisterschaftswertung wäre ein Podestplatz natürlich besser gewesen.»

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

Arnaud Friedrich schaute sich die Wettervorhersagen für das IDM-Wochenende ganz genau an. Beim Assen-Ausflug war er bei halb feuchter, halb trockener Strecke ausgerutscht und musste das Feld im Rennen von hinten aufrollen. «Die Stimmung ist okay», versicherte er. «Wir haben ja vorab nicht hier trainiert, aber das Layout ist ja nicht so anspruchsvoll. Die Wellen sind zum Vorjahr ja auch nicht besser geworden und wir haben uns im Training stark auf die Fahrwerksabstimmung konzentriert.» Mit einer 1.41er-Zeit reihte er sich bereits im ersten Qualifying in die Top Ten ein.

Im Abschlusstraining erwischte es Friedrich nicht ganz so gut. Nach einem Ausrutscher konnte er in der Schlussphase nicht mehr angreifen und musste am Ende mit Startplatz 13 vorliebnehmen. Das erste Rennen war für den Sachsen schnell zu Ende. Nach einer Kollision mit einem Konkurrenten landete er im Kies, blieb bei dem unplanmässigen Ausflug aber zum Glück unverletzt. Im zweiten Rennen musste Friedrich erst wieder ordentlich in Fahrt kommen. «Es lief an dem Wochenende nicht so ganz gut», lautete dann auch der Bericht. «Anfangs habe ich im zweiten Rennen ein paar Positionen verloren und musste erst einmal wieder einen Rhythmus finden, die Stürze waren schon ganz schön heftig. Als Jan Bühn dann vorbei kam, habe ich langsam wieder Fuß gefasst und ich konnte 1.42er-Zeiten fahren. Zwei vor mir habe ich dann noch geschnappt und so noch das Beste draus gemacht.»

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring Foto: Wiessmann

Weiter geht es in 14 Tagen mit dem IDM-Lauf in der Motorsportarena Oschersleben.

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung IDM SBK

1 1.38,529 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 1.39,881 Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)
3 1.40,200 Dominik Vincon (D/BMW)
4 1.40,241 Jan Bühn (D/BMW)
13 1.41,665 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)
3 Jan Bühn (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Florian Alt (D/Yamaha)
3 Jan Halbich (CSFR/Honda)
10 Jan Bühn (D/BMW)
13 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Punktestand nach 10 von 14 Rennen

1 245 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)
2 125 Punkte Florian Alt (D/Yamaha)
3 121 Punkte Jan Bühn (D/BMW)
4 108 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)
15 28 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)
Riders Quote IDM Lausitzring: