In der Superstock 1000 Europameisterschaft geht es in die finale Phase der Saison. Der Meisterschaftsführende Markus Reiterberger sieht sich beim sechsten von acht Saisonläufen in Misano starker Konkurrenz ausgesetzt. Zu den beiden engen Verfolgern im Rennen um die Meisterschaft, Roberto Tamburini und Maximilian Scheib, kommen starke Gaststarter hinzu. Auch alpha Racing-Van Zon-BMW Pilot Jan Bühn hat hohe Erwartungen an das Rennwochenende an der Adria.

FREE PRACTICE

Dass es ein heisses Rennwochenende werden würde, war allen Beteiligen bereits zum ersten freien Training am Freitagmorgen klar. Mit Asphalttemperaturen von bis zu 34 Grad, galt es die Renntaktik auf diese Witterungsbedingungen abzustimmen.

Mit einer fast perfekten Runde sicherte sich Markus Reiterberger die Bestzeit. Jan Bühn, der bereits beim vorherigen Rennwochenende in Brünn im ersten freien Training mit Bremsproblemen zu kämpfen hatte, musste sich mit Platz 15 zufrieden geben.

P1 Markus Reiterberger 1:37.040 min (-0,548)

P15 Jan Bühn 1:39.281 min (+2.241)

Im zweiten freien Training setzte Reiterberger erneut die schnellsten Zeiten in allen Sektoren. Über die 30-minütige Session unterbot er seine Bestmarke aus dem FP1 gleich vier mal. Final stand eine 1:36.548 min Rundenzeit auf dem Monitor – mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung vor Ducati Fahrer Matteo Ferrari und Aprilia Werksfahrer Maximilian Scheib auf den Rängen zwei und drei. Für die Rennabstimmung sehr positiv – Reiterberger nutzte für seine schnellste Umrundung die bereits 30 Runden alten Reifen, während die direkte Konkurrenz für ihre schnellste Runde ein neues Set Reifen aufzogen. Jan Bühn verbesserte sich durch eine Anpassung am Setup, die ihm mehr Gefühl für das Vorderrad brachte, in der letzten Minute auf P13. 

Free Practice Combined Results FP1+FP2

P1 Markus Reiterberger 1:36.548 min (-0,605)

P13 Jan Bühn 1:38.167 min (+1,619)

Das letzte freie Training am Samstagmorgen nutzen Reiterberger und Bühn als finale Generalprobe vor dem Qualifying, um auf neuen Reifen den letzten Schliff für die BMW S 1000 RR zu finden.

Durch regen Verkehr auf der Strecke, brachte Reiterberger keine perfekt Runde auf den Asphalt und musste sich mit einer 1:36.075 min zufrieden geben. Die 35er Marke sollte er jetzt noch nicht knacken, belegte aber trotzdem mit 0,391 Stunden Vorsprung vor Roberto Tamburini den ersten Rang.

Jan Bühn stürzte während seiner Session, wegen eines missglückten Schaltvorgangs in Schräglage, konnte das Training aber nach kurzem Zwischenstopp in der Boxengasse wieder aufnehmen. Mit 1:38.384 min kam er fast an seine persönliche Bestzeit aus dem FP2 heran.

QUALIFYING

Beim Start in das Qualifying zeige das Thermometer 29°C Lufttemperatur. Der Asphalt war auf über 48°C noch einmal angestiegen. 

Reiterberger lieferte in seiner ersten fliegenden Runde gleich ab. Mit 1:36.139 min unterbot er bereits den bestehenden Pole Rekord von Lorenzo Savadori aus dem Jahr 2015. Während seinen Gegnern nur einzelne schnelle Runden gelangen, spulte Reiti Runde für Runde tiefe 1:36er Zeiten ab. Die hohen Temperaturen liessen es aber nicht zu, dass er an seine persönliche Bestzeit aus dem FP3 heran kam. Der 24-jährige sicherte sich mit dieser Leistung die bereits fünfte Pole Position im sechsten Saisonrennen. Pole Rekord inklusive.

Jan Bühn wurde während mehrerer vielversprechenden Runden immer wieder durch langsam fahrende Konkurrenten gestört, sicherte sich mit einer 1:37.534 min aber kurz vor Ende der Session den 12. Startplatz. 

P1 Markus Reiterberger 1:36.122 min (-0,444)

P12 Jan Bühn 1:37.534 min (+1.412)

RENNEN

Die Strategie für das Rennen war gesetzt – Reiterberger musste von Beginn an einen Vorsprung herausfahren, um ungefährdet über die Distanz zu kommen. Nach einem guten Start in die 15 angesetzten Runden, bissen sich die beiden ärgsten Verfolger, Scheib und Tamburini, direkt in seinem Windschatten fest. Doch nach der ersten Runde blieb nur Scheib am 24-jährigen Bayer dran. Jan Bühn hatte beim Start mit seiner Kupplung zu kämpfen und kam nur als 17. aus der ersten Runde.

In Runde drei legte Markus Reiterberger einen neuen Rennrekord fest und unterbot mit einer 1:36.474 min die bestehende Bestmarke aus dem Jahr 2016. Von seinem Aprilia Konkurrent Scheib konnte sich Reiterberger aber dennoch erst ab der fünften Runde absetzen und brachte einige Meter zwischen sich und den schnellen Chilenen. Mit konstant schnellen Rundenzeiten, konnte Reiterberger den Abstand zum Zweitplatzierten Scheib verwalten und sich auf die schwierigen Streckenbedingungen konzentrieren. Die Streckentemparatur von über 47°C brachte die Reifen der #28 ständig an die Sturzgrenze. Nach 15 Rennrunden überquerte Reiterberger die Ziellinie mit zwei Sekunden Vorsprung als Sieger. Jan Bühn lieferte sich eine spannende Aufholjagd mit Vionnet, Bernadi, Santoro und Salvadori und wurde am Ende auf Position 13 gewertet. Das bedeuten drei hart erkämpfte Meisterschaftspunkte für Jan Bühn und einen Ausbau der Meisterschaftsführung auf 14 Punkte für Reiterberger.

In der diesjährigen STK1000 Saison sind noch zwei Rennen zu absolvieren. Vom 14. bis 16. September gastiert die STK1000 Meisterschaft in Portimao (Portugal), bevor es zum Saisonfinale in Magny-Cours (Frankreich) vom 28. bis 30. September geht.

Markus Reiterberger #28:

„Nachdem wir in Brünn unsere Möglichkeiten im Rennen nicht umsetzen konnten, haben wir hier in Misano wieder zur richtigen Mischung gefunden. Die Strecke war heute brutal rutschig, aber das war für alle gleich. Ich war schon überrascht, wie schnell Scheib gefahren ist. Im Training und Qualifying war er noch langsamer – der hat mich ganz schön unter Druck gesetzt. Pole Rekord, Pole Position, neuer Streckenrekord und der Sieg im Rennen – mehr geht nicht. Mein Team hat mir wieder das optimale Motorrad zur Verfügung gestellt, dafür muss ich mich bedanken und freu mich gleichzeitig auf Portimao und Le Mans.“

Jan Bühn #45:

„P13 ist nicht ganz das was ich mir vorgestellt habe. Ein kleines Problem an der Kupplung hat mich am Start zurückgeworfen. Trotzdem haben die Kämpfe Spaß gemacht und das Motorrad hat sich gut angefühlt. Am Ende wieder einmal ärgerlich, aber vielleicht werden wir dann nach der Sommerpause endlich belohnt. Großen Dank an meine beiden Mechaniker, die bei der Hitze, gefühlt 50 grad im Zelt, wieder alles gegeben haben!
Für mich heißt es jetzt so schnell wie möglich 900km nach Hause zu fahren, um morgen 14.00 Uhr meine letzte Klausur zu schreiben.“

Werner Daemen | Team Principle alpha Racing-Van Zon-BMW:

„Markus hat das getan, was er tun musste um im Rennen für die Meisterschaft zu bleiben. Wir können nicht genug erwähnen, wie eng es in dieser Meisterschaft zugeht und Maximilian Scheib ist jetzt unser härtester Konkurrent. Mit 14 Punkten Vorsprung, Pole Position und zwei neuen Rekorden in Misano können wir aber sehr gut schlafen. Jan Bühn hat sich im Laufe des Wochenendes sehr gesteigert. Mit den Rundenzeiten kann er sicher zufrieden sein, aber im Rennen ist es wieder nicht optimal für ihn gelaufen. Zwei Rennen stehen noch an und da kann er hoffentlich seine guten Leistungen in Resultate umwandeln.“