Obwohl es am vergangenen Wochenende erst das zweite Rennen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) war, der erfolgreiche Auftakt hatte Anfang Mai auf dem Nürburgring stattgefunden, stand für das Team Van Zon-Remeha-BMW gleich der Saison-Höhepunkt auf dem Programm. Obwohl das Team mit den drei deutschen Piloten Markus Reiterberger, Jan Bühn und Arnaud Friedrich und dem Niederländer Danny de Boer international aufgestellt ist, liegt die Heimat der Mannschaft um Teamchef Werner Daemen in Belgien. Und genau dorthin, wenige Meter von der Teambasis entfernt, fand der zweite Lauf der IDM statt. Auf der ehemaligen Formel1-Strecke von Zolder trafen sich die Fahrer der Klasse Superbike nach der siebenwöchigen IDM Sommerpause wieder und zeigten auf beeindruckende Art, dass sich nichts verlernt hatten. Gleich vier Podestplätze, zwei Siege und zwei zweite Plätze, fuhr das Team beim Heimrennen ein.

Markus Reiterberger bezeichnet Zolder als eine seiner persönlichen Lieblingsstrecken und als sein zweites Heimrennen. «Mir ist bewusst, dass dies ein wichtiges Ereignis für unser Team ist», erklärt der IDM-Leader. «Hier können wir den Sponsoren zeigen, dass ihr Geld bei uns richtig investiert ist. Für unsere ganze Mannschaft ist der Zolder-Besuch nochmal eine Portion Motivation obendrauf und wir spüren den Rückhalt, den wir hier von den einheimischen Fans erhalten.» Reiterberger ließ sich auch nicht lumpen und bot den Zuschauern schon im Training ein ordentliches Feuerwerk. Er hatte in allen Trainings die Nase vorn. Im Abschlusstraining legte er gleich zu Anfang eine Zeit von 1.31,785 hin. Kein anderer schaffte es die, 1.32er Marke zu unterbieten und Reiterberger konnte mit einem Vorsprung von knapp vier Zehntel-Sekunden die Pole-Position für die beiden Rennen am Sonntag für sich reklamieren.

Im ersten Rennen ließ Reiterberger mal wieder nichts anbrennen und legte einen sauberen Start Ziel Sieg hin. Vom Start weg kontrollierte er das Rennen von der Spitze weg, spielte vor allem in der Anfangsphase seine ganze Erfahrung aus und fuhr mit einem Vorsprung von 12,890 Sekunden über die Ziellinie. «Ich habe anfangs richtig gepusht und Hundert Prozent gegeben», erklärte er seine Taktik. «Am Ende konnte ich ein wenig Gas rausnehmen. Wenn es sein muss, kann ich auch noch eine Schippe drauflegen. Denn die Rennpace der anderen ist auch nicht zu unterschätzen. Doch meine Taktik ging perfekt auf.» Die Taktik ging für den BMW Piloten auch im zweiten Rennen auf. Nach dem üblichen Blitzstart setzte er sich gleich auf den ersten Metern an die Spitze und seine Führung war nicht eine Sekunde in Gefahr. «Auch wenn der Abstand vielleicht nicht so groß war wie im ersten Rennen», berichtet er, «war mein Speed im zweiten Lauf noch besser. Am Moped haben wir bis auf neue Reifen nichts geändert. Schade, dass auch das zweite Rennen vorzeitig abgebrochen werden. Da fühlt es sich komisch an zu gewinnen.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Markus Reiterberger | FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Danny de Boer hatte sich in der IDM Sommerpause mit seinem Trainings-Bike fit gehalten und sich mit Hilfe eines Physiotherapeuten um seine Unterarme gekümmert, die ihm am Nürburgring Ärger gemacht hatten. «Jeden zweiten Tage gab es Massage und Physiotherapie», beschreibt er seine Ferien. «Vor allem in Zolder muss man fit sein, die Strecke ist physisch anstrengen und geht richtig auf die Arme. Die BMW braucht mit ihren immensen Power auch körperlich viel Energie. Aber es hat richtig was gebracht, ich fühl mich fit.» Das bewies der Pilot mit seiner S1000RR dann auch im Training, in dem er sein Duell mit Markus Reiterberger auch in Belgien fortsetzte. In den letzten Runden des zweiten Qualifyings, im ersten Training hatte er noch keinen Qualifyer-Reifen eingesetzt, legt der Niederländer nochmals eine Schippe drauf und sicherte sich mit einer Zeit von 1.32,154 den zweiten Startplatz hinter Markus Reiterberger.

«Zolder ist einfach Reitis Strecke», war sich Danny de Boer auch am Sonntag bewusst. Rundenlang hatte der Niederländer im ersten Rennen versucht, die Pace des zweifachen deutschen Meisters mitzugehen. Und auch wenn er der einzige im ganzen Feld war, der Reiterberger an der Spitze halbwegs folgen konnte, musste er sich am Ende mit Platz 2 zufriedengeben. «Sein Speed war unglaublich», zollte de Boer seinem Kollegen Respekt. «Mein Tempo war auch nicht schlecht, aber er war einfach schneller. Doch ich weiß, meine Strecken kommen noch. Das Rennen bin ich dann kontrolliert zu Ende gefahren.» Nach dem zweiten Lauf hätte Danny de Boer das identische Interview geben können. Wieder war der Niederländer fast zeitgleich mit Reiterberger aus der ersten Startreihe losgebraust. Und wieder legte Reiterberger ein Tempo vor, sodass ihm keiner folgen konnte. De Boer gelang dies zwar am besten, dennoch musste er sich auch im zweiten Lauf mit Platz 2 und einem guten Vorsprung vor den Verfolgern zufriedengeben.

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Danny de Boer | FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Jan Bühn war froh, nach seinen Einsätzen in der Langstrecken-WM kurz vor dem Zolder-Rennen noch ein paar Trainingseinheiten auf seinem IDM-Bike abgespult zu haben. «Jetzt bin ich auf der richtigen Betriebstemperatur», meinte er nach den freien Trainings am Donnerstag. «Da konnte ich mich gut wieder an meine BMW und die Reifen gewöhnen. Die Umgewöhnung geht schnell, aber für das Feeling und auch das Gefühl im Kopf ist es einfach besser.» Beim Zolder-Test vor ein paar Wochen hatte sich Bühn noch ein wenig schwergetan, konnte aber am IDM-Wochenende gleich mit verbesserten Rundenzeiten aufwarten. Mit Markus Reiterberger hat Bühn natürlich ein ordentliches Kaliber neben sich in der Box stehen. «Uns anderen Fahrern hilft das», erklärt er. «Wie kennen gegenseitig unseren Daten und ich will mich ja verbessern. Dank Markus sehe ich schwarz auf weiß, was geht und wo er die Zeit holt. Klar haben wir anderen dabei öfters mal ein Aha-Erlebnis, wenn wir sehen, wo er die Zeit holt. Und wir haben alles das gleich Motorrad.» Im Training konnte er die neuen Erkenntnisse entsprechend umsetzen und holte sich mit einer Zeit von 1.33,386 die fünfte Startposition.

Der Start ins erste Rennen ging Bühn nicht so von der Hand und er fand sich nach der ersten Runde jenseits der Top Ten wieder. «Jan Halbich neben mir hat am Start bisschen früh gezuckt», erklärt er die Situation. «Mir ist der Start dann misslungen und das Moped ging vorne hoch. Schade, denn das Moped hat gepasst und war für Platz 2 oder 3 gut.» Pech hatte Bühn dann noch am Schluss. Denn er hatte sich gerade am Vierplatzierten vorbeigeschoben, als das Rennen mit der roten Flagge abgebrochen wurde. Gewertet wird in diesem Fall die Runden vorher, da war Bühn allerdings noch Fünfter. Nicht ganz so geschmeidig lief für Bühn das zweite Rennen und der neunte Platz war nicht ganz so nach seinen Vorstellungen. Obwohl der Start am Nachmittag eindeutig gelungen war. «Irgendwie hatte ich nicht so ein gutes Gefühl wie am Vormittag», grübelte er anschließend. «Ich war ein wenig schwach auf der Bremse und vom Speed her etwas langsamer. Es war quasi das Gegenteil von Rennen 1, obwohl wir am Set up nichts geändert hatten. Jetzt werden wir erst mal die Daten checken und sehen, was da los war.»

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Jan Bühn | FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Arnaud Friedrich ist mit seinen 17 Jahren der jüngste Teilnehmer in der IDM Superbike und schlägt sich wacker im Kampf mit der harten Konkurrenz. «Es gibt hier in Zolder wenig Stellen, wo man mal verschnaufen kann», erläutert der Sachse. «Und nach den langen Geraden kommen extrem harte Bremszonen. Meine Lieblingsstrecke ist Zolder jetzt nicht, aber es ist eben auch unser Heimrennen. Dass es bei uns in der Box oft recht turbulent zugeht, stört mich nicht. Ich kann hier mit meinen Mechanikern in Ruhe mein Ding machen.» Nach den freien Trainings war Friedrich mit Platz 13 noch nicht ganz glücklich und feilte mit seiner Mannschaft noch am Thema Bremse und Grip. Aber sein Ziel, ein Platz unter den Top Ten, verpasste er mit seiner Zeit von 1.34,059 und Platz 11 nur knapp.

Mit dem gewünschte Top Ten Platz klappte es für den Teenager gleich im ersten Rennen. «Für die Strecke ist das gut», war er sich nach Rang 10 bewusst. «Vom Start bin ich gut weggekommen und die ersten Runden liefen dann echt gut. Ich war in der zweiten Verfolgergruppe dabei und wir hatten Sichtkontakt zur vorderen Gruppe. Am Ende sind mir die Arme etwas lang geworden.» Auch im zweiten Rennen zeigte Friedrich eine ansprechende Leistung und erhielt dafür auch ein dickes Lob von Teamchef Werner Daemen. Doch der Ehrgeiz des jungen Sachsen war mit Platz 13 nicht gestillt. Vor allem weil auch erneut ein Top Ten Ergebnis drin gewesen wäre. «Bastien Mackels war direkt vor mir», schildert er, «und in der Schikane musste er dann geradeaus. Denn vom Speed her war ich besser als noch am Vormittag. Bis zum Vorfall mit Mackels, so gegen Rennmitte, war ich in der Gruppe drin, die um Platz 6 gekämpft hatte und konnte die Zeiten mitgehen. Nach dem Ding mit Mackels war da nichts mehr drin.»

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Arnaud Friedrich | FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Am letzten Juli Wochenende geht die IDM weiter. Das nächste Rennen ist für das Schleizer Dreieck geplant.

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung

1. 1.31.785 Markus Reiterberger (D/BMW)

2. 1.32,154 Danny de Boer (NL/BMW)

3. 1.32,853 Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)

5. 1.33,386 Jan Bühn (D/BMW)

11. 1.34,059 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1. Markus Reiterberger (D/BMW)

2. Danny de Boer (NL/BMW)

3. Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)

5. Jan Bühn (D/BMW)

10. Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1. Markus Reiterberger (D/BMW)

2. Danny de Boer (NL/BMW)

3. Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)

9. Jan Bühn (D/BMW)

13. Arnaud Friedrich (D/BMW)

Punktestand nach 4 von 14 Rennen

1. 95 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)

2. 65 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)

3. 51 Punkte Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)

4. 49 Punkte Jan Bühn (D/BMW)

13. 15 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Riders quotes IDM Zolder 2017