Erfolgreicher Auftakt der IDM Superbike 1000 in der Motorsport Arena Oschersleben für das alpha Racing-Van Zon-BMW Team. Drei neue Talente hat sich Teamchef Werner Daemen geangelt, mit denen er bei insgesamt sieben Rennwochenenden mit je zwei Wertungsläufen an den Start gehen wird. Aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist Ilya Mikhalchik neu dabei, für ihn wird es der erste Einsatz in Deutschland überhaupt. Mit Julian Puffe kommt ein Pilot direkt aus der Rennstadt Schleiz in Thüringen. Dritter Mann im Bund ist Christof Höfer, der im Vorjahr den Suzuki Marken-Cup im Rahmenprogramm der IDM für sich entscheiden konnte.

Ilya Mikhalchik führte sich am Freitag bei den freien Trainings mit der Bestzeit bei seinem Team und seinen neuen Kollegen gleich gut ein. In der Superstock-1000-EM hatte der Ukrainer bereits Erfahrungen auf internationaler Ebene gesammelt. «Für mich ist alles neu», erklärte er. «Ich kenne so gut wie keine Rennstrecke, die im IDM-Kalender steht. Die Strecke von Oschersleben ist eher kurz, da wird es mit den Abständen eng und mit dem Überholen nicht einfach. Natürlich ist es mein Ziel, vorne zu fahren, und zu zeigen, was ich kann.» Ein wenig gewöhnungsbedürftig waren für den BMW-Piloten die neuen Reifen. Denn erstmals hieß es für ihn, profillose Slicks aufzuziehen. In der Superstock-1000-EM waren nur Profilreifen erlaubt.

Ungebremst raste er am Samstag auf die Pole-Position.  Hatte er sich im ersten Qualifikationstraining noch auf seine Renn-Pace konzentriert, ging es im zweiten Zeittraining mit Vollgas in Richtung Bestzeit. «Ich bin natürlich happy damit. Das war auch wichtig. Genauso werden wir weitermachen.» Kleiner Wehmutstropfen für den Ukrainer. Die Bestmarke seines Vorgängers Markus Reiterberger aus dem Vorjahr hatte er nicht knacken könne. «Aber wir haben trotzdem einen guten Job gemacht und die Bedingungen sind in jedem Jahr und an jedem Tag anders.»

Der Start des BMW-Piloten fiel nicht optimal aus. Doch als Zweiter konnte er sich hinter seinem belgischen Marken-Kollegen Bastien Mackels auf Platz 2 einreihen. Und beide dominierten das Geschehen über die komplette Distanz. Mehr als einmal griff Mikhalchik den Belgier an, doch vorbei gab es auf dem engen Kurs von Oschersleben keinen Weg. Doch Platz 2 im ersten Anlauf ging auch für Mikhalchik und seine Mannschaft in Ordnung. «Die Strecke ist physisch sehr anstrengend. Bastien war stark unterwegs. Ich bin im Hinblick auf die Meisterschaft zufrieden. Mir persönlich ist das natürlich noch nicht genug und ich bleibe auch im zweiten Rennen dran.»

Gesagt getan. Im zweiten Rennen übernahm Mikhalchik vom Start weg das Kommando, bekam es aber wie erwartet wieder mit dem schnellen Belgier zu tun. Doch er wehrte alle Angriffe gekonnt ab und sah wenige Zehntel vor dem Rest der Konkurrenz die schwarz-weiß kariert Flagge. «Es war ein fairer Kampf mit Bastien. Das Nieveau der IDM ist sehr hoch. Beim Set-up der BMW haben wir einen weiteren Schritt vorwärts gemacht. Ja wir haben gewonnen und unser Potential gezeigt. Das Team arbeitet wirklich auf einem sehr hohen Level, mir fehlen die Worte.» Auch die Erfahrungen aus der Superstock-1000-EM sind nicht ohne, so dass der Ukrainer seinen Gegner trotz zahlreicher Angriffsversuche bis über die Ziellinie in Schach halten konnte.

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Julian Puffe hatte an die IDM und die IDM-Strecken nur noch schwache Erinnerungen. «In Oschersleben war ich vor fünf Jahren zuletzt. Nach meiner Zeit im Junior Cup bin ich in Deutschland ja kaum noch gefahren. Aber ich finde es hier in Oschersleben cool. Im Training musste ich mich nach meiner Teilnahme am Langstrecken-WM-Lauf erst einmal wieder umgewöhnen, denn dort waren wir mit einer ganz anderen Geometrie unterwegs. Hier im Team gefällt es mir sehr gut. Alles ist top vorbereitet und mein Crew-Chief kennt sich super mit der Elektronik aus. Ausserdem sprechen alle deutsch, das hatte ich in der Vergangenheit noch nie, es herrscht einfach eine super Atmosphäre.»

Im Training machte es Puffe dann spannend und fuhr am Ende der Session auf Position vier. Für Adrenalin-Schübe sorgte der Schleizer dann auch im ersten Rennen. Erst schien es, als hätte er es sich in der Verfolgergruppe noch bequem gemacht, als er im letzten Renndrittel auf den Angriffsmodus umschaltete. Puffe löste sich von seinen Hintermännern und machte Jagd auf Jan Halbich. Der Abstand zwischen den beiden war beim Winken der schwarz-weiß karierten Flagge nicht zu erkennen. Ein Blick auf den Zeitenmonitor brachte die Gewissheit. Platz 4 für Puffe, mit einem Rückstand von knappen 0,064 Sekunden. «Ich hatten den dritten Platz schon sicher. Doch in der letzten Kurve ist mir der Gang rausgesprungen.»

Auch im zweiten Lauf präsentierte sich Puffe in Bestform und konnte vor allem in der zweiten Halbzeit Meter gutmachen. Obwohl er nach einem wenig prickelnden Start sogar kurz durch den Dreck musste. Bis zur Gruppe, die verbissen um Platz 3 fightete, kämpfte sich Puffe wieder nach vorne. Doch in der IDM Superbike wird mit harten Bandagen um die Podestplätze gekämpft. «Wir wechselten oft die Positionen – leider mit dem schlechteren Ende für mich. Wieder das Podest um 0,2 Sekunden verpasst.  Trotzdem bin ich sehr gute Rundenzeiten gefahren und weiß, wo mein Weg hingeht. Beim nächsten Lauf greifen wir wieder an und ich werde alles dafür tun, um das Treppchen zu erreichen.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Christof Höfer ist erstmals in der IDM Superbike unterwegs, kennt sich im IDM-Paddock und auf den Strecken schon bestens aus. «Oschersleben taugt mir und ich bin gut vorbereitet. Beim Motorrad fehlt mir ehrlich gesagt noch ein wenig das Vertrauen in mich selbst. Es ist eben doch noch alle neu. Druck macht mir hier keiner, es wird ja auch kein Meistertitel von mir erwartet.» Startplatz 17 lautete dann die erste Ausbeute des IDM-Neueinsteigers. «Mir ist eine Zeit von 1.28 gelungen. Ich komme immer mehr in einen Fahr-Rhythmus rein und fühle die BMW immer besser. Im Team fühl ich mich extrem wohl und verfüge mit den Daten und dem Wissen endlich über die Möglichkeit, mich zu verbessern. Die Leute hier sagen mir, was ich falsch mache.»

In die Punkte fahren wäre schön. Das hatte sich Höfer am Sonntagmorgen noch gewünscht. Gleich im ersten Rennen erfüllte er sich diesen Wunsch. Mit Platz 13 schnappte er sich gleich drei. Platz 16 wurde es in Lauf 2, bei dem Höfer mit Björn Stuppi und Kevin Sieder gleich zwei Piloten in seinem Windschatten in Schach halten musste. «Das Niveau ist unfassbar. Es war in den letzten Wochen soviel neu für mich. Und es lief super. Im zweiten Lauf kam es leider zu einer nicht so schönen Kettenreaktion. Nach einem super Start wurde ich leider von einem Konkurrenten abgedrängt, da sind viele Fahrer durchgeschlüpft. Es hat anschließend lange gedauert, bis ich an Kevin Sieder vorbei kam. Er bremst sehr spät und ist dann im Scheitel nicht so schnell. Ausbremsen kann man ihn so nicht. Aber in der letzten Runde habe ich ihn mir geschnappt, kleine Berührung inklusive. Ich bin natürlich im zweiten Lauf auch mit Köpfchen gefahren. Denn ich wollte auch unbedingt das gute Gefühl aus Lauf 1 mit nach Hause nehmen. Denn jetzt weiß ich, ich kann das und Punkte sind drin.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Das nächste Rennen führt das Team alpha Racing-Van Zon-BMW erneut nach Oschersleben. Am 7. bis 10. Juni sind die Piloten der IDM Superbike bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft zu Gast und fahren dort ihren dritten und vierten Lauf.

Ergebnis Training/Startaufstellung

  1. 1.26,178 Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
    2. 1.26,707 Bastien Mackels (B/BMW)
    3.   1.26,486 Jan Halbich (CZ/Honda)
    4.   1.26,650 Julian Puffe (D/BMW)
    17. 1.28,917 Christof Höfer (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

  1. Bastien Mackels (B/BMW)
    2. Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
    3.   Jan Halbich (CZ/Honda)
    4.   Julian Puffe (D/BMW)
    13. Christof Höfer (D/BMW)Ergebnis Rennen 2
  2. Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
    2. Bastien Mackels (B/BMW)
    3.   Dominic Schmitter (CH/Suzuki)
    4.   Julian Puffe (D/BMW)
    16. Christof Höfer (D/BMW)Tabelle nach 2 von 14 Rennen1. 45 Punkte Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
    2. 45 Punkte Bastien Mackels (B/BMW)
    3. 26 Punkte Jan Halbich (CZ/Honda)
    4. 26 Punkte Julian Puffe (D/BMW)
    16. 3 Punkte Christof Höfer (D/BMW)

Christof Höfer (l.), Ilya Mikhalchik (m.), Julian Puffe (r.)