Das belgische Zolder stand am vergangenen Wochenende im Terminkalender der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 2018. Für das ganz in der Nähe der Rennstrecke stationierte Team alpha Racing-Van Zon-BMW um Teamchef Werner Daemen einer der Saisonhöhepunkte und die Chance, sich vor den heimischen Fans zu zeigen. Mit Ilya Mikhalchik (UKR) und Julian Puffe (D) schickte das Team gleich zwei Podestkandidaten in das Rennen der Klasse Superbike. Zum Zuschauen verurteilt war dagegen Christof Höfer. Er kuriert noch seine Schulterverletzung aus.

Ilya Mikhalchik kam nach seinem Doppelsieg in Oschersleben als Führender der Gesamtwertung nach Zolder. Mit den besten Vorzeichen. Denn schon am Testtag vor wenigen Wochen hatte sich der Ukrainer per Bestzeit mit der anspruchsvollen Strecke erstmals angefreundet. Auch am IDM-Samstag wollte sich Mikhalchik die dritte Pole-Position im dritten Rennen erobern. Sein Plan ging auf, wenn auch mit Lehrgeld. In beiden Zeittrainings bot der BMW-Pilot bereits in der dritten Runde die Bestzeit auf und in beiden Trainings landete er eine Runde später, bei dem Versuch, seine eigene Zeit zu unterbieten, im Kiesbett. Seine Bestmarke blieb bis zum Ende unangetastet.

Mikhalchik selbst blieb unverletzt, die BMW konnte seine Mannschaft schnell wieder geradebiegen. Mit seinem Data-Recording-Mann drehte der Ukrainer am Abend vor dem Rennen nochmals eine Runde um die vier Kilometer lange Strecke. Mit dem Fahrrad und mit Zwischenstopp an der Sturzstelle, um letzte Details zu besprechen. Nach dem Start ins erste Rennen übernahm erst einmal BMW-Kollege Bastien Mackels die Führungsarbeit und verrichtete diese bis zur Schlussphase. In der letzten Kurve der letzten Runde setzte der Ukrainer, der dem Belgier stets im Windschatten gefolgt war, das entscheidende Ausbremsmanöver und landete einen Wimpernschlag vor Mackels als Sieger im Ziel. «Erst mal muss ich mich bei meiner Mannschaft bedanken», erklärte Mikhalchik bei der Siegerehrung. «Nach den Stürzen haben sie mir eine BMW hingestellt, die war wie neu. Im Rennen hatte ich Bastien vor mir und bin ruhig geblieben. Denn es war auch physisch eine Herausforderung. Ich bin ja nicht allzu viele Runden hier gefahren, daher wusste ich nicht so genau, an welchen Ecken muss ich pushen, wo kann ich mal durchatmen. Zum Schluss war es knapp, aber es ging auf mit dem Sieg.»

Der Start ins zweite Rennen verlief gut. Doch aus der ersten Runde kam der Ukrainer nur als Siebter zurück. Da war der spätere Sieger Bastien Mackels schon an der Spitze davon gefahren. «Ilya hatte zuerst vermutet, dass ihn seine Teamkollege Julian Puffe touchiert hatte», berichtet Teamchef Werner Daemen. «Doch es war Jan Halbich, der unseren Fahrer in der ersten Ecke rausgeschickt hat.» Mikhalchik holte dann fleissig auf, musste aber in der Schlussphase erneut durch die Wiese. «Er wollte an Pepijn Bijsterbosch vorbei, aber auch dieser drückte ihn raus. Danach ist Ilya wirklich mit Köpfchen gefahren.» Zwei Konkurrenten vor ihm, unter ihnen auch Bijsterbosch, flogen auf den letzten Metern noch ab. Für Mikhalchik wurde es der vierte Platz und auch die Gesamtführung in der IDM Superbike ist weiter in der Hand des BMW-Piloten.

06.-08.07.2018 Zolder / IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Julian Puffe hatte sich vor der Abfahrt nach Zolder noch mit einem Fahrrad-Rennen in seiner Heimatstadt Schleiz, wo die IDM-Reise Ende Juli hingeht, warm gefahren. «Zolder ist für mich aber wie ein zweites Heimrennen und es kribbelt schon ein wenig mehr als sonst», verriet der Thüringer. «Ausserdem mag ich die Strecke in Zolder sehr. Es ist eine tolle Abwechslung zu dem, wo wir sonst gewöhnlich fahren.»

Die Ortskenntnis, die er sich in Zolder bereits bei einem erfolgreichen Test im Vorfeld angeeignet hatte, setzte er in den beiden Zeittrainings geschickt um und durfte sich am Ende des Tages mit der drittschnellsten Zeit über einen Startplatz in der ersten Reihe freuen. «Im ersten Quali lief es richtig gut», berichtete er anschließend. «Ich konnte gleich eine tiefe 1.32 fahren. Ich hatte gedacht, dass ich noch ein wenig drauflegen kann, damit es sogar für die Pole-Position reicht. Doch da hat mir am Ende ein Tick gefehlt. Im zweiten Quali war es auf Grund der Temperaturen mit den Zeiten schwierig. Aber ich bin vorne dabei und will das im Rennen fortführen.»

Gesagt getan. Platz 3 die Belohnung. «Es hat alles geklappt», freute er sich bei der Siegerehrung. «Auch mit den Armen ging es bis zum Schluss gut. Die ersten Runden konnte ich noch mit Mackels und Mikhalchik an der Spitze mithalten, doch so ganz konnte ich den Speed nicht mitgehen.» Doch von hinten drohte keine wirkliche Gefahr, so dass er sein Rennen in Ruhe zu Ende bringe konnte. «Ich hatte noch ein paar kleine Probleme mit der Front meiner BMW», grübelte der Schleizer. «Aber das kriegen wir fürs zweite Rennen hin.»

«Das Motorrad war so gut wie das ganze Wochenende noch nicht», war dann auch die Ansage nach dem zweiten Rennen, in dem Puffe ordentlich ackern musste, um am Ende Fünfter zu werden. «In der ersten Ecke ist Jan Halbich auf Mikhalchik drauf, beide haben dann aufgemacht. Ich war direkt dahinter und es gab nur einen Ausweg, das Kiesbett am Ende der Boxengasse. Von da habe ich das Rennen wieder aufgenommen und war mal richtig weit hinten.» Die ersten Konkurrenten waren aber gleich in der erste Runde fällig und Stück für Stück ging es wieder Richtung Top Ten. «Nach dem kleinen Grip-Problem vom Vormittag hatten wir das Motorrad echt auf den Punkt gebracht. Ich konnte zum Schluss meine besten Zeiten fahren. In der letzten Runde bin ich quasi an Ilya rangeflogen, wollte aber im letzten Eck kein riskantes Ausbremsmanöver starten. Da habe ich es mit Ausbeschleunigen versucht. Im Ziel haben mir 0,007 Sekunden gefehlt. Es war ein echtes Foto-Finish.»

06.-08.07.2018 Zolder / IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Christof Höfer hatte sich bei einem Sturz zur Langstrecken-Weltmeisterschaft in Oschersleben das Schulterblatt gebrochen. Gemeinsam mit Werner Daemen entschied man sich, die Verletzung ordentlich auszukurieren. Höfer liess sich die Show seiner beiden Teamkollegen und deren Konkurrenz nicht entgehen und schaute sich die Rennen schweren Herzens von der Boxenmauer aus an.

In drei Wochen geht es weiter mit Heimrennen Nummer 2. Die IDM trifft sich auf dem Schleizer Dreieck zu Superbike-Lauf Nummer 4.

 

Ergebnis Training/Startaufstellung

1  1.32,106 Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
2  1.32,147 Bastien Mackels (B/BMW)
3  1.32,314 Julian Puffe (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1  Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
2  Bastien Mackels (B/BMW)
3  Julian Puffe (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1 Bastien Mackels (B/BMW)
2 Stefan Kerschbaumer (A/Yamaha)
3 Daniel Kartheininger (D/Yamaha)
4 Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
5 Julian Puffe (D/BMW)

Punktestand nach 6 von 14 Rennen

1   133 Punkte Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)
2   126 Punkte Bastien Mackels (B/BMW)
3    82 Punkte JulianPuffe (D/BMW)

06.-08.07.2018 Zolder / IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft