Den Höhepunkt der laufenden Saison in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) hatte das Team Van Zon-Remeha-BMW Anfang Juli im belgischen Zolder mit Bravour hinter sich gebracht. Mit einem Doppelsieg von Markus Reiterberger wurde der Bayer seiner Favoriten-Rolle in der Klasse der IDM Superbike mehr als gerecht. Auch sein niederländischer Teamkollege Danny de Boer und die beiden deutschen Piloten Jan Bühn und Arnaud Friedrich hatten sich beim Heimrennen der Mannschaft um den belgischen Teamchef Werner Daemen in glänzender Form präsentiert. Am vergangenen Wochenende stand gleich das nächste Highlight auf dem sieben Rennen umfassenden IDM-Kalender. Fahrer und Fans trafen sich am Schleizer Dreieck, wo zum Teil noch auf sonst öffentlichen Straßen gefahren wird und deshalb eine besondere Herausforderung für Mensch und Maschine darstellt. Auch rund um das Dreieck ist immer viel geboten und es gibt keine andere Strecke im IDM-Terminkalender, wo die Fans so zahlreich und voller Rennsport-Enthusiasmus dabei sind und ihre Zweirad-Helden feiern.

Markus Reiterberger ist bekennender Schleiz-Fan und freute sich auch dieses Mal auf sein persönliches Heimrennen. Zahlreiche Fans waren aus Bayern angereist und auch der Reiti-Fan-Club absolvierte seinen jährlichen Ausflug nach Thüringen. Der BMW-Pilot selbst hatte in den Tagen vor dem IDM-Einsatz noch ein straffes Programm abzuarbeiten. Reiterberger war im Zuge seines geplanten Wildcard-Einsatzes bei der Superbike-Weltmeisterschaft Mitte August am Lausitzring bei den offiziellen Testfahrten dabei und hatte nur einen Tag zum Verschnaufen, bevor es in Schleiz wieder mit den IDM-Aufgaben weiterging. «Die drei Testtage waren schon anstrengend», gab er ohne Umschweife zu. «Aber wir sind schon am Mittwoch nach Schleiz gefahren und konnten in Ruhe alles vorbereiten. Die Umstellung von der für den WM-Einsatz aufgebauten BMW S1000RR zurück auf mein IDM-Bike war nicht allzu groß. In dem WM-Motorrad steckt ja auch ganz viel IDM drin.»

Am Freitag musste seine Mechaniker an seiner BMW noch den Motor wechseln, aber für das Qualifying war alles startklar. Schon im ersten Qualifying haute Reiterberger eine schnelle Runde nach der anderen raus und ließ mit seiner Bestzeit von 1.24,606 die komplette Konkurrenz hinter sich, mit einem Vorsprung von 1,484 Sekunden. Die Pole Position war ihm auch nach dem zweiten Qualifying nicht mehr zu nehmen. Auch ein glasklarer Sieg war ihm ersten Lauf fällig. Vom Start weg dominierte er das Rennen von der Spitze und überließ seinen Kollegen nur noch den Kampf um die restlichen beiden Podestplätze. «Die Strecke liegt mir einfach», stellte er klar, nachdem er über 24 Sekunden vor dem Rest des Feldes die Zielflagge gesehen hatte. «Durch die Überrundungen hat es mir ein wenig den Durchschnitt über die Renndistanz verdorben. Aber mein Motorrad war einfach ein Traum und dafür bin ich meinem Team total dankbar. Natürlich ist das auch alles eine Vorbereitung auf meinen WM-Einsatz am Lausitzring in drei Wochen. Deshalb gebe ich in einem IDM-Lauf immer alles und will es bis zum Schluss durchziehen. Die gewonnenen Infos helfen uns sicher auch beim Weg Richtung Lausitzring.»

Im zweiten Lauf war es erneut Reiterberger, der die Pace von der Spitze her bestimmte und in seiner eigenen Liga unterwegs war. Bei den gestiegenen Temperaturen kam allerdings auch der zweifach Deutsche Superbikemeister ordentlich ins Schwitzen. «Ein paar Bedenken hatte ich schon, weil es doch um einiges heißer war», verriet er nach Tagessieg Nummer 2. «Wir hatten einen richtig weichen Reifen aufgezogen und haben diesen auch gut zum Arbeiten gebracht. Es war einfach ein Riesen-Wochenende und ich sage Danke an meine Mechaniker und auch an Pirelli. Was soll ich noch sagen, es gibt nur drei Worte: Schleiz ist geil.» In der Meisterschaft führt der BMW-Pilot nun mit 145 Punkten vor Teamkollege Danny de Boer.

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

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Danny de Boer hatte an diesem Wochenende aus den Niederlanden die weiteste Anreise. In den Kreis seiner Lieblingsstrecken hat es das Schleizer Dreieck noch nicht geschafft. «In Assen und Hockenheim habe ich eindeutig mehr Chancen, ein Rennen zu gewinnen», war er sich als Zweiter der aktuellen Superbike-Meisterschaftstabelle bewusst. «Aber Schleiz gehört eben auch zum Kalender wie jedes andere Rennen auch. Da geht es nicht um persönliche Vorlieben. Im Freien Training haben wir die Zeit genutzt und konnten noch sei einiges probieren. Zeitenjagd war ja erst am Samstag angesagt.» Im zweiten Quali knabberte er an seiner Bestzeit vom Vormittag nochmals acht Zehntel Sekunden ab und belohnte sich mit Startplatz 3.

So richtig in Feierlaune war der Niederländer nach dem ersten Rennen nicht. Er war zwar flott von seinem Startplatz weggekommen, aber schon in der ersten Runde war Schluss mit lustig.  Erst im hinteren Mittelfeld tauchte er nach der zweiten Runde wieder auf der Zeitenliste auf und hatte dann bei sommerlichem Temperaturen eine mühsame Aufholjagd zu absolvieren, die ihm am Ende immerhin noch die Zähler für Platz 9 einbrachte. «Es passierte in der zweiten Runde», schildert de Boer. «Auf dem Bergabstück gibt es eine Bodenwelle und ich habe an der Stelle zu hart reingebremst. Zu dem Zeitpunkt war ich Dritter. Mir ging das Hinterrad hoch und ich musste durch die Wiese. An der Gruppe vor mir war ich relativ schnell wieder dran, aber an den einzelnen Fahrern vorbeizukommen, ist in Schleiz wieder ein anderes Thema.» Im zweiten Rennen lief es besser, auch wenn der Niederländer seine Pläne wegen eines vorzeitigen Rennabbruchs nicht realisieren konnte. Mit Platz 3 nahm das Wochenende ein versöhnliches Ende. «Natürlich bin ich durch das erste Rennen nicht total happy», gab er nach der Siegerehrung zu. «Aber nach dem zweiten Rennen geht es mir schon besser. Die Atmosphäre war natürlich toll hier. Meine Lieblingsstrecke ist Schleiz nicht, aber das Publikum ist fantastisch.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

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Jan Bühn hatte sich zwischen den Rennen in Zolder und in Schleiz mit einem privaten Test in Oschersleben vergnügt. «Kilometer brauche ich nach dem Rennen der Langstrecken-WM und dem IDM-Test dort nicht mehr», erklärt er seinen Ausflug. «Aber ich war mit meinem letztjährigen Motorrad unterwegs. Das Team hatte mir ein paar Teile mitgegeben und Pirelli die nötigen Reifen. Mein Crewchief Ronny war ebenfalls vor Ort und wir konnten noch einiges probieren. Zum Beispiel mit der Gabel haben wir ein paar erfolgreiche Versuche gemacht.» Gut gerüstet traf Bühn dann in Schleiz ein, wo er vor allem die Atmosphäre rund um die Strecke schätzt. «Es sind unheimlich viele begeisterte Fans unterwegs und das merkt man auch als Fahrer. Das ist auch für einen Fahrer ein schöneres Erlebnis als vor leeren Rängen seine Rennen auszutragen.» Mit Rang 4 im Qualifying gab es für Bühn bereits den ersten Applaus, mit gerade mal zwei Hundertstel Sekunde hatte er die erste Startreihe denkbar knapp verpasst.

Für Jan Bühn war das erste Rennen ein harter Kampf um einen Podestplatz. Mit Florian Alt und BMW-Kollege Dominik Vincon hatte Bühn über die komplette Distanz zu tun, was bei Temperaturen weit über 20 Grad auch sonst zu einer heißen Angelegenheit wurde. Die endgültige Entscheidung fiel erst in der letzten Runde. «Leider wurden den zu überrundenden Piloten nicht allzu viele blaue Flaggen gezeigt», erklärte er nach der Siegerehrung für den dritten Platz. «Alt stand dadurch immer an. Dann wollte in der letzten Runde Vincon innen rein stechen, das war eigentlich mein Plan. Plötzlich hatte Vincon einen Highsider und ich wäre fast über ihn und sein Motorrad gefahren. Den dritten Platz habe ich dann ins Ziel gerettet. Es ist natürlich genial bei dem Publikum hier auf dem Podest zu stehen.» Das zweite Rennen war für Bühn schneller vorbei als geplant. Er war gestürzt und das Rennen musste daraufhin abgebrochen werden. «Ich bin auf Schulter und Rücken gefallen», so Bühn, «da hat es mir die Luft rausgedrückt und ich musste mich kurz setzten. Und eine leichte Prellung am Knie, das ist aber alles nicht schlimm. Richtung Schikane wollte ich an einem Konkurrenten vorbei und war einen Tick zu spät auf der Bremse. Da ging mir auch schon das Hinterrad weg.» Da in der IDM bei einem Abbruch die Runde vorher gewertet wird, tauchte Bühn trotz Sturz noch als Sechster in der Wertung auf.

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

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Arnaud Friedrich hat die Veranstaltung auf dem Schleizer Dreieck inzwischen auch zu seinem Heimrennen deklariert, da die IDM seiner eigentlichen Hausstrecke, dem Sachsenring, in den letzten Jahren keinen Besuch abgestattet hat. «Ich bin etwa 80 Kilometer von Schleiz entfernt zu Hause», verriet der 17-Jährige Sachse. «Das Schleizer Dreieck kenn ich schon seit 2013 und schon im Vorjahr war ich hier mit einer BMW unterwegs. Mir gefällt es hier einfach und das Umfeld ist einfach der Hammer.» Ganz glatt verlief der Freitag mit den freien Trainings nicht und der Teenager musste sogar einen kleinen Ausrutscher wegstecken. Gerne hätte sich der Sachse ein einstelliges Trainingsergebnis gewünscht, doch er musste mit Startplatz 13 vorliebnehmen. Doch der junge Mann hatte einen harten Arbeitstag zu absolvieren. Der Sturz steckte ihm noch ein wenig in den Knochen und eine fiese Magenverstimmung machte ihm das Rennfahrerleben auch nicht wirklich leichter.

Richtig rund lief es für Friedrich auch in den beiden Rennen nicht, die er auf den Plätzen 12 und 15 beendete. «Meine Starts waren okay», so seine Bilanz. «Im ersten Rennen konnte ich mich sogar bis auf Platz 10 vorarbeiten. Doch über die Distanz bin ich immer schwächer geworden und die Rennen kamen mir richtig lang vor. Die letzten Runden waren extrem hart.» Teamchef Werner Daemen zeigte sich dennoch zufrieden mit der Leistung seines Schützlings. «Er muss eben noch dazu lernen», weiß der ehemaligen Deutsche Meister. «Aber das wird. Er ist noch ganz am Anfang und konnte in Schleiz schon 1.26er-Rundenzeiten fahren. Das ist sehr gut.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

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In 14 Tagen, vom 11. bis 13. August, ist das Team Van Zon-Remeha-BMW im niederländischen Assen zu IDM-Lauf Nummer 4 unterwegs.

 

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung

  1. 1.24.606 Markus Reiterberger (D/BMW)
  2. 1.25,457 Dominik Vincon (D/BMW)
  3. 1.25,790 Danny de Boer (NL/BMW)
  4. 1.25,810 Jan Bühn (D/BMW)
  5. 1.26,777 Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Ergebnis Rennen 1

1. Markus Reiterberger (D/BMW)

2. Florian Alt (D/Yamaha)

3. Jan Bühn (D/BMW)

9. Danny de Boer (NL/BMW)

12. Arnaud Friedrich (D/BMW)
Ergebnis Rennen 2

1. Markus Reiterberger (D/BMW)

2. Dominik Vincon (D/BMW)

3. Danny de Boer (NL/BMW)

6. Jan Bühn (D/BMW)

15. Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Punktestand nach 6 von 14 Rennen

1. 145 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)

2.    88 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)

3.    75 Punkte Jan Bühn (D/BMW)

14. 20 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)