Nach einem aufregenden Wochenende am Lausitzring, wo die Internationale Deutsche Meisterschaft IDM Mitte August im Rahmenprogramm der World-Superbike am Start war, hatte das Team Van Zon-Remeha-BMW um den belgischen Teamchef Werner Daemen eine kleine Verschnaufpause verdient. Doch viel Zeit zum Erholen blieb nicht. Am vergangenen Wochenende ging es in der Motorsportarena Oschersleben weiter im Programm der IDM Superbike. Mit an Bord Markus Reiterberger (D), der am Lausitzring nicht nur eine beeindruckende Vorstellung als Wildcard-Pilot in der Superbike-WM inklusive Top-Ten-Platz abgeliefert hatte, sondern auch bei der IDM Superbike einen weiteren Doppelsieg holte und sich damit vorzeitig den Titel sicherte. Auch mit dabei waren wieder Jan Bühn (D) und Danny de Boer (NL), beide noch mit besten Chancen auf den IDM-Vizetitel, und Arnaud Friedrich (D), mit 17 Jahren der jüngste Teilnehmer im ganzen Feld.

Markus Reiterberger hatte bei seinem WM-IDM-Doppelstart auf dem Lausitzring über 140 Runden gedreht. Die gut vier Kilometer lange Strecke aneinandergereiht, hätte es der BMW-Pilot mit seinen Rennmotorrädern die 600 Kilometer von der Lausitz z.B. bis nach Zürich geschafft. Mit der Motorsportarena Oschersleben stand nun eine Strecke auf dem Programm, auf der die IDM Superbike zuletzt im Jahr 2014 unterwegs war. Den Blick auf die herbstlich angehauchte Wettervorhersage, hatte sich Reiterberger erspart. «Das habe ich mir schon lange abgewöhnt», verrät er, «das macht einen bloß verrückt. Aber ich kann ja inzwischen auch bei Regen entspannt auffahren. Wir hatten bereits ein Regenrennen, in dem es gut lief und in Assen hatte ich ebenfalls ein super Regen-Training.»

Doch der komplette Samstag blieb trocken und Reiterberger verwöhnte sich und sein Team mit der Pole-Position, dem Sieg im ersten Rennen und der schnellsten Rennrunde. Der BMW-Pilot fuhr einen Start-Ziel-Sieg heraus und feierte damit seinen zehnten Sieg in Folge. «Wir waren in Oschersleben ja bereits im Vorfeld testen», schilderte er nach der Siegerehrung. «Ich war von Anfang an schnell unterwegs. Mein Bike war noch schneller, einfach faszinierend. Dafür bin ich wirklich dankbar. Wir mussten nach den Freien Trainings fast nichts ändern und ich habe im Quali die 1.24er-Zeit geschafft. Jetzt bin ich wirklich wieder auf dem Niveau wie vor meinem Crash im letzten Jahr.»

Am Sonntagnachmittag rückte Reiterberger dann zum zweiten Lauf aus und schnappte sich auch da den Sieg, erneut mit etwas über zehn Sekunden Vorsprung. «Langweilig wird es einem da nicht», versicherte der Seriensieger. «Wir haben einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und ich hatte auch eine bessere Traktion als noch im ersten Lauf. Die Pace konnte ich dadurch konstant fahren. 1.25er-Zeiten waren das Ziel und das habe ich geschafft. Der Platz für die Pokale wird daheim schon ein wenig eng. Aber je mehr desto besser.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Danny de Boer hatte die Rennen am Lausitzring nicht bestreiten können. Sechs Runden hatte sich der Niederländer dort im Freien Training abgemüht. Doch es ging nicht, er musste wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben. Eine Ärzte-Tour im Anschluss brachte Licht ins Dunkel. «Nach Tests im Krankenhaus hat sich herausgestellt, dass ich einmal unter Pfeifferschem Drüsenfieber leide», erklärt de Boer, «und dass ich mich mit Borrelien infiziert habe. Das mit den Borrelien, welche vornehmlich durch Zecken übertragen werden, kann schon Jahre her sein. Ich trainiere ja viel im Wald. Ich fühle mich extrem schlapp und bin extrem müde.» Doch in den Trainings schlug sich der Niederländer tapfer und holte hinter seinen Teamkollegen Reiterberger und Bühn den dritten Startplatz. Wenige Stunden später schon das erste Rennen. De Boer erwischte einen guten Start und das Feld sortierte sich rasch. Hinter Bühn zog er seine Runden und blieb von Angriffen seiner Hintermänner verschont. Auf die Siegerehrung für Platz 3 musste er im Anschluss verzichten. Sein persönlicher Akku war leer und der Niederländer kam nur mit Hilfe seiner Mechaniker vom Motorrad runter.

Im zweiten Lauf ging es für Danny de Boer weiter aufwärts. Mit einem sehr guten Start konnte sich der Niederländer auf Platz 2 schieben, fuhr gleich zu Beginn einen zwei Sekunden Vorsprung heraus und konnte sich somit aus Kräfte zehrenden Geplänkeln heraushalten. Hinterher reichte die Energie sogar noch für die Siegerehrung, die de Boer dann im Sitzen genoss.

«Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe», grübelte er. «Aber das Team hat einen tollen Job gemacht und ich konnte ihnen mit den Podestplätzen etwas davon zurückgeben. Vor allem die letzten sechs, sieben Runden waren sehr hart, aber ich hab’s hingekriegt. Der Kampf um Platz 2 in der Meisterschaft hat mir noch eine Portion Extra-Motivation gegeben. Denn der Vizetitel ist mein Ziel und es ist noch alles drin.»

01.-03.09.2017 ADAC Sauerlandpreis IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

01.-03.09.2017 ADAC Sauerlandpreis IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Jan Bühn hatte gemeinsam mit seinen Teamkollegen bereits im Frühjahr in der Motorsportarena Oschersleben getestet und war auch beim Langstrecken-WM-Lauf 2017 am Start. «Die Strecke ist ein bisschen eng», so sein Urteil, «aber wir hatten bereits vor dem IDM-Lauf ein gutes Set-up. Auf den möglichen Vizetitel habe ich nicht so sehr geschaut. Ich wollte wie immer konstant meine Leistung bringen und Richtung Podest fahren, dann schaut’s am Ende des Jahres auch in der Tabelle gut aus.»

Schon am Samstag setzte Bühn Teil 1 seines Plans in die Tat um. Mit der zweitschnellsten Zeit eroberte er sich Startplatz 2. Auch im Rennen zeigte sich Bühn angriffslustig, drehte wie Reiterberger an der Spitze 1.26er-Runden und ließ den Deutschen Meister nicht ganz so weit wegfahren, wie in vergangenen Rennen. Platz 2 auf dem Podest der verdiente Lohn. «Es war anstrengend», gab er zu. «Auf meiner Boxentafel habe ich ständig Plus 0,3 oder 0,4 Sekunden gelesen. Natürlich habe ich versucht von Danny de Boer wegzukommen. Ich bin dann meinen Rhythmus gefahren und konnte am Ende noch zulegen. Nachdem ich gesehen hatte, wie es Danny nach den Trainings ging, hatte ich gedacht, er bricht während des Rennens mehr ein. Aber nein, Respekt vor dieser Leistung.»

Für Jan Bühn wurde es im zweiten Rennen ein vierter Platz. Nach einem guten Start war Bühn in der vorderen Gruppe dabei, konnte aber zum Schluss nicht mehr in Richtung Podestplatz angreifen. «Danny kam vorne super weg», beschreibt er sein Rennen. «Er hat gleich zwei Sekunden gutgemacht und das dann auch gehalten. Als Florian Alt an mir vorbeikam, habe ich mich eine Weile direkt hinter ihm festgebissen. Aber in Oschersleben überholt es sich nicht so leicht und das Risiko war einfach zu groß. Aber insgesamt war es eines meiner besten IDM-Wochenende und ich habe den Zeiten-Rückstand zu Markus Reiterberger ordentlich verkürzt. Die Entscheidung um den Vizetitel fällt dann in Hockenheim.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Arnaud Friedrich hatte vor dem Ausflug nach Oschersleben seine Pechsträhne während der letzten beiden Rennen, bei denen er gelegentlich zu Boden musste, für beendet erklärt und reiste gut gelaunt zur IDM. «Ich bin mental okay», versicherte er vor dem ersten Training. «Da gibt’s die Reset-Taste und weiter geht’s. Die Strecke gefällt mir ganz gut und zum Glück waren wir im Vorfeld ja auch schon testen. Klar hatte ich mir vorgenommen, zum Ende der Saison nochmals gute Ergebnisse zu bringen. Schon bei den letzten Rennen hab ich mit Top-Ten-Zeiten gezeigt, dass da noch was drin ist.»

Von Startplatz 12 aus ging es ins Rennen. Über die 18 Runden schaffte es der Sachse, die Hintermänner auf Abstand zu halten und bot eine ähnliche Zeit wie im Qualifying auf. Damit landete er im Ziel auf Platz 13. Besser lief es für den Teenager in Rennen 2, das er auf einem zehnten Platz beendete. «Der Zeitplan mit dem ersten Rennen am Samstag war schon eine Umstellung», erklärt er. «Beide Rennen am Sonntag finde ich aber besser. Im ersten Rennen bin ich ein wenig im Stau stecken geblieben und habe dadurch viel Zeit verloren. Das zweite Rennen lief gut. Lucy Glöckner habe ich mir Ende der Start-Ziel-Geraden geschnappt. Bis auf zwei Sekunden kam ich an Dominik Vincon ran. Aber da hätte ich noch zwei, drei Runden mehr gebraucht. Ich muss besser darin werden, vor allem in den ersten Runden mehr zu pushen. Denn später passen meine Rundenzeiten ja immer. Damit wären dann noch bessere Ergebnisse drin.»

01.-03.09.2017 ADAC Sauerlandpreis IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

01.-03.09.2017 ADAC Sauerlandpreis IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Strahlend war Teamchef Werner Daemen vor allem am Samstag unterwegs, als Reiterberger, Bühn und de Boer dem Team Van Zon-Remeha-BMW mit den Plätze 1, 2 und 3 das erste Triple der IDM-Geschichte bescherte. «Bei uns im Team passt es», lautet das Geheimnis des Erfolges. «Vom Mechaniker bis hin zur Hospitality-Mannschaft ziehen alle an einem Strang. Was soll ich sagen? Ich bin stolz auf unser Team.»

Ein Termin gibt es noch im Kalender der IDM-Saison 2017: Vom 29. September bis 1. Oktober steigt auf dem Hockenheimring das große Finale der IDM.

 

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung IDM SBK

1 1.24,890 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 1.25,816 Jan Bühn (D/BMW)
3 1.26,125 Danny de Boer (NL/BMW)
12 1.27,491 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Jan Bühn (D/BMW)
3 Danny de Boer (NL/BMW)
13 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Danny de Boer (NL/BMW)
3 Florian Alt (D/Yamaha)
4 Jan Bühn (D/BMW)
10 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Punktestand nach 12 von 14 Rennen

1 295 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)
2 154 Punkte Florian Alt (D/Yamaha)
3 154 Punkte Jan Bühn (D/BMW)
4 144 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)
15 37 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)
Riders Quote

Markus Reiterberger | Jan Bühn | Arnaud Friedrich | Team Manager Werner Daemen