Viel zu tun gab es am vergangenen Wochenende für das Team alpha Racing-Van Zon-BMW. Teamchef Werner Daemen war mit seinen Piloten gleich bei zwei Meisterschaften mit Siegchancen unterwegs. Im tschechischen Brünn kämpfte der dreifache IDM-Superbike-Meister Markus Reiterberger in der FIM Superstock-1000-EM, in der Motorsportarena Oschersleben war die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft zu ihrem zweiten Event des Jahres am Start und das Team hatte mit Ilya Mikhalchik (UKR), Julian Puffe (D) und Christof Höfer (D) gleich drei top-motivierte Piloten am Start.

Ilya Mikhalchik war beim Auftakt der IDM Superbike 2018, der Ende April ebenfalls in Oschersleben stattgefunden hatte, auf Anhieb erfolgreich. Mit seiner BMW S 1000 RR holte er einen zweiten und einen ersten Platz und kam nun als IDM-Leader, punktgleich mit BMW-Kollege Bastien Mackels (B), an die Rennstrecke zurück. In Oschersleben führten die beiden ihr ansehnliches Duell ab dem freien Training weiter. Erneut mit der Bestzeit für den Ukrainer. «Wir sind beide stark», stellte Mikhalchik ehrlich fest, «und keiner von uns wird aufgeben. Aber erst im Rennen geht’s um Plätze und Punkte, dann wird man sehen, wer der Stärkere ist. Über die Pole-Position bin ich natürlich glücklich. Das war es, was ich mir selber zum Ziel gesetzt und von mir erwartet hatte. Im zweiten Quali war ich ganz entspannt und habe zehn Runden mit einem gebrauchten Reifen abgespult, um an der Renn-Pace zu arbeiten.»

Doppelsieg und klare Führung in der IDM-Gesamtwertung lautete dann die Bilanz des Ukrainers nach den beiden Rennen am Samstag und am Sonntag. Bei beiden Läufen dominierte er das Feld von der Spitze weg, fuhr vor allem in der Anfangsphase einen guten Vorsprung heraus und kontrollierte das Rennen über die gesamte Distanz.

Der kühle Ukrainer beschrieb zumindest in Worten seine Freude als grenzenlos, nachdem er in beeindruckender Manier den dritten Sieg in Folge geholt hatte. «Ja es lief sehr gut», so sein Kommentar, «ich konnte mein Tempo gegenüber der Konkurrenz gut kontrollieren. Vor allem auf einer Strecke, auf der ich erst zum zweiten Mal war und die ich vorher absolut nicht kannte. Auf Strecken, die ich kenne, wird mir das alles bestimmt noch ein wenig leichter fallen. Zwei Strecken kommen noch, die ich nicht kenne. Aber auch da will ich mein Potential zeigen. Allerdings kennt Perfektion keine Grenzen, also werde ich an dem einen oder anderen Aspekt weiter arbeiten, um mich weiter zu verbessern.»

«Natürlich will ich mich bedanken – bei meinem Team und allen, die mich unterstützen. Ohne deren Unterstützung ist ein solcher Erfolg unmöglich.»

Photo: Felix Wiessmann

Julian Puffe hatte der Verlockung widerstanden, zusätzlich bei der zeitgleich in Oschersleben stattfindenden Langstrecken-Weltmeisterschaft an den Start zu gehen. Nach dem er sich bei Testfahrten in Zolder noch ordentlich das Knie geprellt hatte, er hatte bei einem Highsider, ohne Sturz, mit dem Knie den Schalthebel abgeschlagen, kam er gut erholt und wieder fit in Oschersleben an. «Die Rennen der Langstrecke und der IDM lagen viel zu dicht beieinander», begründet er seine Entscheidung pro IDM. «Die IDM hat für mich absolute Priorität und ich wollte nicht das Risiko eingehen, dass da noch was Blödes passiert. Lieber habe ich eins richtig gemacht.»

Seinen ersten IDM-Podest-Platz hatte er Ende April nur um Millimeter verpasst. Nach dem erfolgreichen Zolder-Test kam er mit vielen Ideen zum IDM-Wochenende. «Wir hatten vor allem beim Fahrwerk Fortschritte gemacht und auch bei der Elektronik. Zuhause habe ich mich dann noch eingehend mit der Auswertung der Daten beschäftigt.» Zur Belohnung zählte Puffe in den beiden Qualifyings mit zu den Schnellsten und landete auf einem vielversprechenden vierten Startplatz. «Das war ganz schön anstrengend», gab er zu. «Nach dem ersten Quali haben wir uns kurz ausgezogen, geduscht, wieder angezogen und schon ging es mit dem zweiten Quali weiter. Doch ich habe einen guten Step gemacht und meine Rennpace um eine halbe Sekunde nach unten gedrückt.»

Erleichterung und Freude machten sich bei Puffe breit, als er nach dem ersten Lauf mit Platz 3 erstmals auf dem  Podest gelandet und damit endgültig in der IDM angekommen war. «Das Motorrad war richtig gut», freute er sich überschwänglich. «Direkt in der ersten Kurve war ich so spät wie möglich dran und habe mich gleich als Dritter eingefädelt. Den ersten Beiden konnte ich bis Rennmitte gut folgen, dann haben mir zum Schluss immer um die zwei Zehntel gefehlt. Aber ja, Platz 3 war jetzt echt eine Erleichterung.»

Bis zur Halbzeit des zweiten Laufes war Puffe wieder im Kampf um die Plätze 2 und 3 verwickelt, Platz 1 war fest in der Hand seines Kollegen Mikhalchik. Doch in der Schlussphase musste der Schleizer bei dem anziehenden Tempo an der Spitze ein paar Federn lassen, blieb aber vernünftig und sicherte sich einen vierten Rang. «Der Vorderreifen hat etwas nachgelassen. Ich konnte schlechter die Linie halten und das Rad drohte einzuklappen. Die Änderung, die wir vorgenommen hatten, hat sich nicht wie gewünscht ausgewirkt. Die letzten Runden habe ich dann abreissen lassen. Ich hätte vielleicht noch mitfahren können, wäre aber nicht vorbeigekommen.»

Photo: Felix Wiessmann

Christof Höfer wollte es am vergangenen Wochenende ganz genau wissen und lotete seine persönlichen Grenzen aus, in dem er sowohl in der Langstrecken-WM als auch in der IDM Superbike antrat. «Die Doppelbelastung funktioniert über Vorbereitung Ernährung, Schlaf und die richtige Einstellung im Kopf», so der BMW-Pilot. «Ich liebe es, mich solchen Herausforderungen zu stellen. Ich möchte aus den Daten genau rauslesen, was ich falsch mache, lernen und mich von den Zeiten her steigern.» Doch trotz guter Vorbereitung war für Höfer früher als geplant Feierabend. Im WM-Training stürzte er übers Vorderrad und landete unsanft auf der rechten Schulter.

Danach läutete der Rennarzt die Zwangspause ein. Bei genauen Untersuchungen stellte sich ein gebrochenes Schulterblatt heraus. Ein Rennen wird er wohl auslassen müssen, aber in Schleiz will er wieder aufs Motorrad steigen.

Photo: Felix Wiessmann

Das belgische Zolder steht als nächstes auf dem IDM-Programm und wird das Herz von Teamchef Werner Daemen und seiner Mannschaft vom Team alpha Racing-Van Zon-BMW noch ein wenig höher schlagen lassen. «Heimrennen» heisst es vom 6. bis 8. Juli.

Photo: Felix Wiessmann

Ergebnis Training/Startaufstellung

1 | 1.25,241 Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)

2 | 1.25,402 Bastien Mackels (B/BMW)

3 | 1.25,817 Lorenzo Lanzi (I/Yamaha)

4 | 1.26,139 Julian Puffe (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1 | Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)

2 | Bastien Mackels (B/BMW)

3 | Julian Puffe (D/BMW)

 

Ergebnis Rennen 2

 

1 | Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)

2 | Lorenzo Lanzi (I/Yamaha)

3 | Bastien Mackels (B/BMW)

4 | Julian Puffe (D/BMW)

 

Punktestand nach 4 von 14 Rennen

1 | 95 Punkte Ilya Mikhalchik (UKR/BMW)

2 | 81 Punkte Bastien Mackels (B/BMW)

3 | 55 Punkte JulianPuffe (D/BMW)