Text: Esther Babel

Nach sieben Monaten Winterpause ging es am vergangenen Wochenende endlich wieder los. Der Startschuss für die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft IDM fiel für die Saison 2017 auf der 3,618 Kilometer langen Sprintstrecke des Nürburgring. Wieder mit dabei die Erfolgstruppe Van Zon-Remeha-BMW um den belgischen Teambesitzer Werner Daemen. Mit Markus Reiterberger (D), Jan Bühn (D), Danny de Boer (NL) und Arnaud Friedrich (D) schickt der ehemalige Deutsche Meister, Daemen hatte sich im Jahr 2004 den Titel in der IDM Supersport 600 erkämpft, in dieser Saison der IDM Superbike 1000 gleich vier Talente ins Rennen um die begehrten Meisterschaftspunkte.

Der zweifache Deutsche Superbikemeister Markus Reiterberger ist nach seinem WM-Ausflug und einer Verletzungspause wieder mit an Bord. «Ich bin froh, wieder hier zu sein», versichert Reiterberger nach den ersten Trainingskilometern in der Eifel. Die Erwartungen an Reiterberger sind nach zwei IDM-Titeln und den WM-Erfahrungen des letzten Jahres hoch. Doch der Bayer sieht das ganz realistisch. «Meine Wirbelverletzung ist verheilt», stellt er klar. «Aber ich habe noch einige Einheiten beim Physiotherapeuten vor mir. Ausserdem hat Werner Daemen ein schlagkräftiges Team zusammengestellt, so dass mir bewusst ist, dass die ich die stärkste Konkurrenz im eigenen Team habe.» Ausserdem ist seit diesem Jahr das Reglement der IDM Superbike 1000 deutlich eingeschränkter als noch in den vergangenen Jahren. «Da haben wir weniger Möglichkeiten bei der Abstimmung und wir müssen entsprechende Kompromisse machen.» Das hinderte ihn allerdings nicht daran, beim Qualifying seinen drängelnden Kollegen die Stirn zu bieten und sich die Pole-Position für die ersten beiden Läufe der Saison 2017 zu sichern.

Den ersten Anlauf ins Rennen wurde eine klare Sache für Reiterberger, doch lange freuen konnte er sich am seinem ersten Platz nicht. Ein Regenschauer machte den Abbruch nötig und mit Regenreifen ging der Spaß von vorne los. Gefightet wurde bis auf die letzten Meter. In der letzten Runde witschte noch seine niederländischer Teamkollege Danny de Boer nach vorne und Reiterberger sah beim IDM-Comeback als Zweiter die Zielflagge. «Im Trockenen lief es super», gab er zu Protokoll. «Im Regen, da bin ich ja eh nicht so drauf spezialisiert, war ich nicht ganz so sicher unterwegs wie im Trockenen. Vor allem am Schluss hat Danny einen Tick später gebremst als ich.» Beim zweiten Rennen, ausgetragen bei Sonne und ohne Regen, gab es für Reiterberger kein Halten mehr und er gönnte sich zur Feier des Tages einen Start-Ziel-Sieg. Dabei drehte er beständig seine 1.26er-Runden um den Nürburgring und landete mit einem satten 25-Sekunden Vorsprung vor dem Rest der Superbike-Welt als Erster im Ziel. Nach Platz 2 im ersten Rennen bedeutete das auch die Gesamtführung in der Meisterschaft. «Das Rennen war super», bestätigte der Sieger dann auch. «Endlich habe ich mal wieder gewonnen. Mein Ziel war es, wieder schnell zu werden und wir haben bewiesen, dass das geht. Ich bin einfach so dankbar, dass ich wieder ein gescheites Bike und ein gescheites Team habe.»

Neu dabei ist der Niederländer Danny de Boer, der im Vorjahr den Titel in der IDM Superstock 1000 klargemacht hatte und erstmals für Daemen unterwegs ist. Den ersten Schlagabtausch bei der Jagd nach der Pole-Position wurde zwischen de Boer und Reiterberger bereits am Freitag eröffnet. De Boer hatte sich schon vor zwei Wochen ordentlich warm gefahren. Mit einer Wild Card war er beim Rennen der Superstock 1000 EM im Rahmen der Superbike-WM flott auf den vierten Platz geflitzt. Die gute Laune brachte der Niederländer mit an den Nürburgring. Bis auf die letzten Meter des zweiten Qualifyings wurde an jeder Tausendstel Sekunde gefeilt, was dem Superstock-Meister 2016 mit Rang 2 einen Platz in der ersten Startreihe einbrachte. «Das Set-up ist glaube ich gut», so sein Urteil nach dem Training, «und die Rennpace auch.»

Das mit der guten Renn-Pace stellte de Boer vor allem beim zweiten Startanlauf eindrucksvoll unter Beweis, ein Regenschauer hatte den Abbruch des ersten Versuchs nötig gemacht. Ein Ausreissversuch gelang de Boer zwar nicht, aber über 15 Runden konnte er seine BMW gut kontrollieren, um dann in der letzten Runde erbarmungslos zuzuschlagen und auf abgetrockneter Ideallinie mit einem Spätbrems-Manöver auf den abgenutzten Regenreifen zu überzeugen und den ersten Sieg der Saison nach Hause zu fahren. «Ein spektakuläres Rennen», urteilte er auch dann. «Ich wollte ja einen Vorsprung rausfahren, aber das hat nicht geklappt, als es immer mehr auftrocknete. Mit dem Sieg bin ich jetzt natürlich glücklich.» Genau umgedreht dürfte die Gefühlswelt des Niederländers am Nachmittag im zweiten Lauf gewesen sein. Sein Teamkollege Reiterberger hatte den Start gewonnen und de Boer kam nach einem Sturz in der ersten Runde nicht mehr auf der Start-Ziel-Geraden vorbei. Er war gestürzt und konnte das Rennen nicht wieder aufnehmen.

Jan Bühn hatte nach Platz 3 in der IDM Superstock 1000-Wertung 2016 seinen Vertrag im Team Van Zon-Remeha-BMW für ein weiteres Jahr verlängert und musste sich bei der BMW S 1000 RR nicht allzu groß umstellen. Auch mit seiner eingespielten Mannschaft war Bühn gleich wieder bei der IDM-Musik dabei. In allen Trainings mischte Bühn vorne mit und hielt auch den Angriffen seiner Gegner stand. Belohnt wurde die Arbeit mit Startplatz 3. «Damit war ich mehr als zufrieden», so sein Bericht. «Den Qualifyer-Reifen konnte ich noch nicht ganz umsetzen, da fehlt’s mir noch ein bisschen, aber fürs Rennen war ich gut vorbereitet.

Reifenwechseln hiess es auch nach dem Rennabbruch für Bühn, der anschliessend wie das gesamte Feld wieder mit Regenreifen auf die im Laufe des Rennen immer trockener werdende Strecke ging. Richtig glatt lief es für den BMW-Piloten auf der noch nassen Piste anfangs nicht und als Elfter kehrte er aus der ersten Runde zurück. Doch Bühn bewahrte Ruhe und arbeitete sich Platz für Platz nach vorne. Platz 5 war dann der verdiente Lohn für seine Coolness. «In der Warm-up-Runde hatte meine Traktionskontrolle Alarm angezeigt», erklärte er hinterher. «Beim Regen ohne zu fahren, wäre eine schlechte Idee gewesen. Ich musste dann die Zündung aus und wieder einschalten, das ist wie ein Reset. Das hat Zeit gekostet.» Im zweiten Rennen, auf trockener Strecke, lief für Bühn dann alles glatt. Ohne Probleme flitzte er vom Start los, hielt sich aus den Rangeleien in der Verfolgergruppe heraus und sicherte am Ende seinen Vorsprung nach hinten ab. Platz 2 der verdiente Lohn. «Das Bike passt», zählte Bühn anschliessend auf, «das Team passt und ich funktioniere auch gut. Bis jetzt gibt es nichts auszusetzen und wir und die Meisterschaft sind auf einem guten Weg.»

Jüngster Pilot im BMW-Quartett ist der gerade 17 Jahre alt gewordene Sachse Arnaud Friedrich. «Das Ambiente und das Feeling am Nürburgring gefällt mir gut», versichert der Neuzugang. «Für mich ist es schon noch eine Umstellung. Im letzten Jahr war ich als Einzelkämpfer in der IDM unterwegs und jetzt bin ich Teil eines wirklich großen und professionellen Teams.» Für das Training hatte sich Friedrich vor allem das Feintuning in Sachen Kurven Set-up vorgenommen. Am Freitag tummelte er sich flott in den Top Ten und setzte diesen Trend auch im Qualifying fort. Belohnt wurde diese Leistung mit Startplatz 13 im mit 31 Piloten voll besetzten Feld. «Ich war das erste Mal mit einem Qualifyer-Reifen unterwegs», offenbarte er. «Das konnte ich nicht so richtig umsetzen. Aber abgerechnet wird im Rennen und dafür habe ich mir schon die Top-Ten vorgenommen.»

Im ersten Rennen gelang ihm das Kunststück noch nicht ganz. Beim Neustart, notwendig geworden durch einen Regenschauer und den Rennabbruch, wurde es für den Sachsen turbulent. Seine BMW hatte Wasser geschluckt, musste in der Boxengasse wieder in Schwung gebracht werden und der Teenager hetzte anschliessend dem Feld von hinten hinterher. Doch er behielt dennoch die Nerven, fuhr das Rennen sauber zu Ende und erreichte als Zwanzigster das Ziel. Im zweiten Rennen lief es für den Teenager besser und er konnte sein erstes Top-Resultat kassieren. «Im ersten Rennen hatte ich Pech», fasst der Teenager den Tag zusammen. «Aber ich habe mich vorgekämpft. Im zweiten Rennen sah es dann anders aus und ich konnte in einer guten Gruppe mithalten und ein gutes Ergebnis einfahren. Jetzt freue ich mich schon auf das nächste Rennen.»

Kaum hat die IDM angefangen, steht auch schon die erste Pause ins Haus. Erst in zwei Monaten geht der Spaß rund um die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft weiter. Auf dem Programm steht dann vom 7. bis 9. Juli das Rennen im belgischen Zolder, dem Zuhause des Teams Van Zon-Remeha-BMW.

 

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung

  1. 1.24,734 Markus Reiterberger (D/BMW)
  2. 1.25,095 Danny de Boer (NL/BMW)
  3. 1.25,886 Jan Bühn (D/BMW)
  4. 1.27,405 Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Ergebnis Rennen 1

  1. Danny de Boer (NL/BMW)
  2. Markus Reiterberger (D/BMW)
  3. Florian Alt (D/Yamaha)
  4. Jan Bühn (D/BMW)
  5. Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

  1. Markus Reiterberger (D/BMW)
  2. Jan Bühn (D/BMW)
  3. Dominik Vincon (D/BMW)
  4. Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Punktestand nach 2 von 14 Rennen

  1. 45 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)
  2. 31 Punkte Jan Bühn (D/BMW)
  3. 29 Punkte Dominik Vincon (D/BMW)
  4. 25 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)
  5. 6 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)