Kaum angefangen, ist die Saison der Internationale Deutsche Meisterschaft IDM auch schon wieder vorbei. Mit seinen Piloten Markus Reiterberger (D), der bereits seit dem WM-IDM-Event auf dem Lausitzring als neuer Deutscher Meister in der Superbike-Kategorie feststeht, dem Niederländer Danny de Boer, dem Lokalmatador Jan Bühn aus dem nahegelegenen Kronau und dem 17-jährigen Arnaud Friedrich aus Sachsen, war das Team Van Zon-Remeha-BMW um den Belgier Werner Daemen ein letztes Mal gemeinsam unterwegs. Im badischen Hockenheim fand traditionell das Saison-Finale statt und bescherte Fahrern und Fans nochmals ein Highlight mit packenden Rennsport und vollen Tribünen, bevor es in die Winterpause geht und die Planungen für das kommende Jahr beginnen.

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale - Wilhelm Herz Memorial - IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale – Wilhelm Herz Memorial – IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Markus Reiterberger hatte in den letzten Wochen außer Motorradfahren nicht viel im Sinn. Nach seinem erfolgreichen Wildcard-Auftritt in der Superbike-WM und dem Titelgewinn am Lausitzring, folgte der nächste IDM-Doppelsieg in der Motorsportarena Oschersleben. Mit seinem Start beim Sandbahn-Rennen in Pfarrkirchen erfüllte sich der Bayer einen langgehegten Kindheitstraum. Von dort raste er beim 24-Stunden-Rennen Bol d‘Or in Paul Ricard/Frankreich geradewegs auf’s Podest. In den Tagen vor dem IDM-Finale gab es als Sahnehäubchen in Spanien noch einen Test auf einem MotoGP-Bike. Doch die Motivation für das IDM-Finale war bei Reiterberger ungebrochen hoch. «Vom Medien-Interesse war die Woche vor Hockenheim schon ein wenig Ausnahmezustand», erzählt er.

In die ersten Trainings ging Reiterberger ohne vorherigen Test auf dem Hockenheimring. «Aber wir haben in Sachen Chassis ja noch die Daten aus dem Jahr 2015, die konnten wir eins zu eins übernehmen und es funktionierte von Anfang an gut. Die Abstimmung der Gabel haben wir nochmals gegengecheckt.» Wenn alles nach Plan läuft, wird das Hockenheim-Wochenende auch Reiterbergers persönliches Finale in der IDM gewesen sein, der Bayer strebt nach Höherem. «Ich war einfach froh», erklärt er, «noch einmal ein ganz normales IDM-Wochenende erlebt zu haben. Ich wollte es richtig genießen und am Sonntagabend war zum Feiern extra das Postamt-Trio aus meiner Heimat angereist.» Doch vor dem Vergnügen stand erst noch die Arbeit und Reiterberger holte sich auch für die letzten beiden IDM-Einsätze die Pole-Position. 0,955 Sekunden vor dem Rest des Feldes.

Im ersten Lauf bekam Reiterberger richtig zu tun. Mit einem üppigen Wheelie ging es für den Deutschen Meister los, in der zweiten Kurve dann noch ein Verbremser und nichts war’s mit der Führung. «Ich habe Florian Alt dann vor mir studiert», beschreibt er sein Rennen, «er ist echt gut gefahren. Ich habe gefühlt, dass ich schneller fahren kann. Eingangs der Start-Zielgeraden bin ich dann vorbei, musste aber ein wenig weit gehen und er konterte. Doch eine Runde später hat es dann an gleicher Stelle geklappt.» Anschließend gab es für Reiterberger kein Halten mehr, er konnte fahren wie es ihm in den Kram passte und er machte sich gepflegt aus dem Staub. Saisonsieg Nummer 12 war fällig. «Das war aber auch ein schönes Rennen», versicherte er, «es war wirklich abwechslungsreich.» Im zweiten Rennen genehmigte sich Reiterberger noch eine Start-Ziel-Sieg. Leicht hatte es ihm die Konkurrenz dabei aber nicht gemacht. «Der Start war okay», berichtet er, «danach konnte ich mir einen kleinen Vorsprung herausfahren und hatte hohe bis mittlere 1.26er-Zeiten geplant. Aber da war mir schnell klar, dass das nicht reicht und ich musste noch eine Schippe drauflegen. Florian Alt hat ordentlich Druck gemacht. Stimmt, wir hatten an dem Wochenende ein paar Problemchen, aber trotzdem haben wir den Doppelsieg geholt. Damit haben wir gezeigt, dass wir es, auch wenn es nicht ganz optimal läuft, zusammen hinkriegen. Danke an alle für eine geile Saison.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Danny de Boer hatte es im Spätsommer übel erwischt. Die IDM-Rennen am Lausitzring konnte er gar nicht bestreiten, in Oschersleben rackerte sich der Niederländer unter Aufbietung aller Kraftreserven dann zwei Mal aufs Podium. «Nach Tests im Krankenhaus hat sich herausgestellt, dass ich unter Pfeifferschem Drüsenfieber leide», erklärt de Boer. Die Zeit bis zum IDM-Finale hatte der BMW-Pilot nur wenig trainieren können und hat nach wir vor mit den Auswirkungen seiner Krankheit zu kämpfen. Auf maximal 128 Schläge pro Minute darf er seinen Puls beim Training in die Höhe treiben, nicht wirklich viel für einen Sportler, der am liebsten durch den Wald joggt und radelt. «Körperlich geht es mir aber schon etwas besser», erklärte er vor dem Rennen, das er von Startplatz 5 aus in Angriff nahm. «Aber mit der Konzentration über die Distanz eines Rennens ist es schwer. Die Rennen in Oschersleben waren sehr hart für mich. Aber ich fahre lieber Rennen, als daheim auf der Couch zu sitzen und mich zu schonen. Natürlich habe ich auch vor dem Rennen über den Vizetitel nachgedacht. Ich habe wirklich viele Punkte in diesem Jahr verloren, aber was will man machen.»

Danny de Boer war rechtschaffen erledigt, nachdem er die beiden Rennen hinter sich gebracht hatte. Zweimal war der Niederländer auf dem vierten Platz gelandet. Im Samstagsrennen konnte er noch seinen Teamkollegen Jan Bühn in Schach halten und war auch ohne Pokal zufrieden. Im zweiten Rennen hatte er auch schon das Podest vor der Nase, musste aber gegen Ende ein wenig abreissen lassen. «Am Samstag kam ich mit dem Reifen irgendwie besser klar», so seine Analyse. «Am Sonntag dann weniger und der Hinterreifen baute schneller ab als erwartet. Ich hatte die gleiche Wahl wie meine Teamkollegen getroffen, aber bei Markus und Jan lief es damit besser. Ich habe beim Finale das Maximum rausgeholt. Aber ich geb’s zu, ein bisschen enttäuscht bin ich schon.»

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale - Wilhelm Herz Memorial - IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale – Wilhelm Herz Memorial – IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Jan Bühn musste lange warten auf sein Heimrennen. Während seine Kollegen aus dem Team Van Zon-Remeha-BMW ihren Auftritt vor den heimischen Fans bereits im Laufe der Saison feiern durften, ging es für Bühn erst am vergangenen Wochenenden als Lokalmatador, er ist gerade mal 20 Kilometer von der Rennstrecke zu Hause, nochmals ordentlich zur Sache. Und Bühn hatte den Spannungsbogen bis auf die letzten Meter der IDM 2017 hochgehalten. Denn auch wenn der Titel bereits an seinen Teamkollegen Markus Reiterberger gegangen war, dauerte der Kampf um die Vizemeisterschaft bis auf die letzten Meter. Mitten drin Jan Bühn.

«Ich hatte meine normale Grundanspannung», erklärt er. «Klar war mir bewusst, dass es um den Vizetitel geht. Schön war für mich, dass von meiner Seite ein paar mehr Gäste da waren und es war super, dass meine Familie und meine Freunde mich so unterstützt haben.» Einen Vorteil gab es für Bühn trotz seiner Nähe zur Rennstrecke in Hockenheim nicht. «Ich fahre hier auch nicht öfters als andere und war zuletzt im Frühjahr bei einem privaten Test dort. Allerdings auf dem großen Kurs, das bringt für die IDM-Kurzstrecke auch nichts.» Im Qualifying hatte es der Kronauer spannend gemacht. In der letzten Runde des zweiten Trainings haute er noch eine Runde raus und landete damit auf dem zweiten Platz hinter Kollege Markus Reiterberger. Den konnte er im Rennen aber nicht verteidigen und musste sich am Ende mit Rang 5 zufriedengeben, nicht wirklich nach dem Geschmack des BMW-Piloten.

«Ich bin mit der Konkurrenz gut weggekommen», schilderte Bühn anschließend. «Wir hatten im Training beim Hinterreifen noch etwas probiert, der Plan ging aber nicht wie gewünscht auf. Ich konnte die Pace vom Qualifying nicht so gehen und musste viel riskieren. Danny de Boer war mit dem gleichen Reifen unterwegs, kam aber eindeutig besser aus den Ecken raus. Ich hatte am Ende keine Chance, an ihm vorbeizugehen, ohne uns beide in Sturzgefahr zu bringen. Aus dem Fehler mussten wir dann fürs zweite Rennen lernen.» Das mit dem Lernen hatte für den Rennsonntag auch prima geklappt und zum Abschluss durfte er mit Rang 3 bei seinem Heimrennen noch einen Pokal mit nach Hause nehmen. «Okay, es ist nicht der mögliche Vizetitel geworden», so Bühn. «Aber Anfang des Jahres hatte ich mir Top Fünf vorgenommen, jetzt bin ich hinter Markus der zweitbeste BMW-Pilot. Auch nicht ganz schlecht. Es war einfach ein super Jahr und die Arbeit mit dem Team hat einfach mega viel Spaß gemacht.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

Arnaud Friedrich war nach einer nicht ganz leichten Phase zur Saisonhalbzeit mit dem zweiten Rennen in Oschersleben wieder in die Top Ten der IDM Superbike zurückgekehrt. Eine Platzierung, die er sich auch für das Finale in Hockenheim auf den Zettel geschrieben hatte. «In Oschersleben habe ich gezeigt, dass da noch mehr drin ist», erklärte der Sachse. «Ich muss vor allem in den ersten Runden mehr pushen, um bei der Musik dabei zu sein. Dann sind auch noch bessere Endergebnisse drin. Es ist schon eine Umstellung und recht anstrengend, gleich am Samstag das erste Rennen zu fahren. Die Variante mit den beiden Rennen am Sonntag fand ich persönlich besser.» Im Rennen hatte der Sachse so einiges vor sich, nachdem er im Training auf dem 15. Platz gelandet war.

Doch so richtig gut war Friedrichs Laune auch nach dem ersten Rennen nicht, nachdem er als Fünfzehnter noch den letzten Punkt ergattert hatte. «Leider hatte ich zwischendrin ein Problem mit dem Bremshebel», berichtet er, «und musste ihn ein paar Mal nachjustieren. Unser Reifenplan ist auch nicht so aufgegangen. Es war kühler als noch im Training, aber ich weiß nicht, ob das so viel ausgemacht hat. Zum Schluss ist mir auch noch mal kurz der Gang rausgesprungen und ein Konkurrent kam noch vorbei.» Arnaud Friedrich ist eh nicht als großer Redner bekannt. Nach Platz 13 im zweiten Rennen wurde der Sachse noch ein wenig stiller. «Mein Start war gut», versichert er. «Und ich konnte mir gleich ein paar Kollegen schnappen. Doch leider hat der Hinterreifen, für den wir uns entschieden hatte, schon bald angefangen abzubauen und der Grip ließ nach. Ja, okay, drei Punkte ist besser als nichts. Aber für das Finale hatte ich mir ein wenig mehr ausgerechnet.»

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale - Wilhelm Herz Memorial - IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

29.09.2017-01.10.2017 IDM Finale – Wilhelm Herz Memorial – IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Im Mai hatte die IDM ihren Anfang genommen, am 1.Oktober feierte man im Team Van Zon-Remeha-BMW einen gebührenden Abschluss einer erfolgreichen Saison. «Wir konnten mit Markus Reiterberger alle Pole-Positions holen», zählt Teamchef Werner Daemen auf. «Das hat vor uns noch kein Team in der IDM Superbike geschafft. Mit dem Nürburgring-Sieg von Danny de Boer und den 13 Siegen von Markus gingen auch alle Siege an unsere Mannschaft. Das gab es auch noch nie. Mit Markus konnten wir ein Top-Wochenende mit der Wildcard auf dem Lausitzring abliefern. Ich bin wirklich stolz und auch dankbar für eine solch tolle Truppe.»

 

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung IDM SBK

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung IDM SBK

1 1.25,773 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 1.26,728 Jan Bühn (D/BMW)
3 1.26,734 Florian Alt (D/Yamaha)
5 1.27,226 Danny de Boer (NL/BMW)
15 1.28,180 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Florian Alt (D/Yamaha)
3 Bastien Mackels (B/Yamaha)
4 Danny de Boer (NL/BMW)
5 Jan Bühn (D/BMW)
15 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Florian Alt (D/Yamaha)
3 Jan Bühn (D/BMW)
4 Danny de Boer (D/BMW)
13 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Punktestand nach 14 von 14 Rennen

1 345 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)
2 194 Punkte Florian Alt (D/Yamaha)
3 181 Punkte Jan Bühn (D/BMW)
4 170 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)
15 41 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)