Das breit aufgestellte Team Van Zon-Remeha-BMW reist in dieser Saison der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) von einem Heimrennen zum nächsten. War Anfang Juli der Saisonhöhepunkt für den belgischen Teambesitzer Werner Daemen und seine Mannschaft mit dem Rennen im heimischen Zolder dran, folgte mit dem Rennen auf dem Schleizer Dreieck in Thüringen, das mit knapp 30.000 Besuchern am bestbesuchte IDM-Rennen des Jahres, das Highlight der Superbike-Piloten Markus Reiterberger aus Bayern und Arnaud Friedrich aus Sachsen. BMW-Pilot Jan Bühn kann sich mit dem Statussymbol Lokalmatador erst beim IDM-Finale auf dem Hockenheimring schmücken. Am vergangenen Wochenende war erst einmal Danny de Boer mit seiner Lieblingsstrecke in Assen dran. Dort ging es für Fans und Fahrer der IDM in die zweite Hälfte der sieben Rennwochenenden umfassenden Meisterschaft.

Markus Reiterberger hatte in Zolder und in Schleiz mit dem jeweiligen Doppelsieg ordentlich abgeliefert und zählte schon im Vorfeld auch in Assen zu einem Sieg-Kandidaten in der IDM Superbike. Auch wenn Teamkollege Danny der Boer ähnlich geartete Pläne hatte. Für Reiterberger hieß es am Assen-Wochenende, die Konzentration hochzuhalten. Denn schon am kommenden Wochenende wird Reiterberger neben der IDM Superbike auf dem Lausitzring mit seiner BMW S 1000 RR auch auf die internationale Bühne der Superbike-Weltmeisterschaft zurückkehren. «Klar waren die letzten Wochen etwas stressig», gibt er zu. «Wir haben nach Schleiz noch viel am WM-Bike geschraubt. Für das Lausitz-Wochenende bekommen wir noch Verstärkung bei der Mannschaft. Das Team Penz13.com leiht uns Mechaniker Gordon Unger aus.» Doch vorher galt es noch, in Assen eine saubere Leistung abzuliefern. Schon bei den Freien Trainings am Freitag legte Reiterberger gut vor. Perfektes Timing lieferte der Bayer dann im zweiten Zeittraining hin. Schon im ersten verregneten Training genehmigte er sich die Bestzeit, doch um die Pole-Position ging es im Abschluss-Training, auf zunehmend trockener werdenden Strecke. Vier Minuten vor Schluss ging es mir frischen Slicks nochmals raus. Ergebnis: Bestzeit und einen Vorsprung von 1,4 Sekunden auf den Rest der Kollegen.

In den beiden Rennen schlug Reiterberger gleich zwei Mal zu. Er hatte sich im ersten und auch zweiten Lauf zügig nach dem Start die erste Position geschnappt und diese bis ins Ziel nicht mehr hergegeben und sich mit schnellen Runden in Serie stets einen zweistelligen Vorsprung im Rennen gesichert. «Ich habe mich die ersten Runden auf dem Motorrad wohl gefühlt», berichtet er nach Lauf 1. «Später bekam ich ein paar Probleme beim Kurvenausgang und ich konnte die Linie nicht mehr ganz so gut halten. Ohne den Ausfall von Danny de Boer hinter mir, wäre es schon noch schwierig geworden. Aber einfach so heimgefahren habe ich den Sieg nicht. Das ist ja nicht das Ziel, sondern eben konstante Rundenzeiten abzuliefern. Am Ende habe ich dann schon ein wenig Gas rausgenommen, um kein unnötiges Risiko einzugehen.»

Nach dem zweiten Lauf und dem zweiten Sieg war das Grinsen von IDM-Leader Reiterberger noch breiter. Auch wenn der Start eher zu der bescheidenen Sorte gehörte. «Die Performance war am Nachmittag noch mal besser», freute er sich. «Danke an Dirk Linnebacher, der mir ein noch besseres Fahrwerk mit mehr Traktion hingestellt hatte, wodurch ich weniger Mühe auf der Strecke hatte. Es wäre über das Wochenende bestimmt noch schneller gegangen, aber das Wetter hat da nicht ganz mitgespielt. Dafür hatte ich ein gutes Regentraining. Ich bin froh, dass ich mit dem Punkte-Maximum abreisen kann und jetzt heisst es, voller Fokus auf den Lausitzring.»

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (Foto:Felix Wiessmann)

Danny de Boer ist ein großer Fan der niederländischen Grand-Prix-Strecke. Nicht nur weil es seine Heimstrecke ist und er schon unzählige Runden dort gedreht hat, sondern auch weil er mit Zolder und Schleiz zwei Strecken erfolgreich hinter sich gebracht hat, die auf seiner persönlichen Bestenliste keine Spitzenplätze einnehmen. Bei seinem Gaststart in der FIM Superstock EM hatte er im Frühjahr mit dem vierten Platz in Assen bereits einen großen Erfolg erzielt. «Ich habe ein gutes Gefühl», versicherte er nach den ersten Trainingsrunden. «Klar mache ich mir auch ein bisschen selber Druck, aber nicht zuviel.» Bei dem wechselhaften, Assen-typischen Wetter hatte de Boer keine Prioritäten. «Ich bin im Regen etwas besser als Markus Reiterberger», so der Niederländer, «aber ich will ihn auch im Trockenen schlagen.» Doch im Training, sowohl im nassen ersten als auch im immer trockener werdenden zweiten, musste de Boer seinem Teamkollegen Markus Reiterberger den Vortritt lassen. «Der letzte Sektor ist mein bester», verriet der Zweitplatzierte im Hinblick auf die beiden Rennen. De Boer ist gerade mal 25 Minuten Fahrzeit von Assen entfernt zuhause und startete mit einem Kick Extra-Motivation in die Rennen.

Im ersten Rennen hatte er sich mit einem geringen Abstand hinter Teamkollege Markus Reiterberger festgesetzt und rechnete sich noch Chancen auf eine Schlussattacke aus. Doch daraus wurde nichts. Seine gute Leistung wurde nicht belohnt. Mit einer gerissenen Kette landete er enttäuscht in der Box. In Lauf 2 sicherte sich der Niederländer dann hinter Reiterberger den zweiten Platz, auch wenn ihn seine Leistung nicht ganz zufrieden stellte. «Nach dem Pech im ersten Rennen, bin ich jetzt schon happy mit Lauf 2», versicherte er. «Aber ich habe mich am Nachmittag nicht ganz so wohlgefühlt auf meinem Motorrad. Es waren nur Kleinigkeiten, aber ich konnte Markus nicht folgen. Natürlich wollte ich auch auf keinen Fall stürzen, denn ich brauche die Punkte für die Meisterschaft dringend.»

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (Foto: Felix Wiessmann)

Jan Bühn musste nach seinem Abflug in Schleiz in Sachen Fitness-Programm eine Pause einlegen. Sein linkes Bein, vor allem das Knie, hatte es ein wenig in Mitleidenschaft gezogen und machten beim Joggen oder Radfahren noch nicht wirklich mit. «Es zieht von oben bis unten», erklärt er. «Aber beim Motorrad fahren merke ich davon nichts. Klar haben die Einheimischen hier ein paar Vorteile. Aber die Strecke gefällt mir gut, vor allem der alte Teil, der so flüssig ist, macht richtig Laune.» Ein paar Federn lassen musste er im zweiten Training, wo selbst am Ende der Session noch der eine oder andere nasse Fleck auf dem Asphalt zu sehen war und zahlreiche Sturzopfer forderte. «Vor allem bei der Schikane hinten an der Gegengerade lagen sie», berichtet er nach Startplatz 10. «Da lief bis zum Schluss ein kleines Rinnsal über die Strecke. Ein Ausrutscher blieb mir zum Glück erspart, aber vielleicht war das Vertrauen bei mir einfach noch nicht so da.»

Umso besser lief es dann in den beiden Rennen. Obwohl in Lauf 1 auch ein kleines Wehmutstropfen dabei war. Auf den letzten Metern musste er sich nach einem sehenswerten Rennen mit herzhaften Überholmanövern noch dem Vorwärtsdrang eines Einheimischen beugen. Pepijn Bijsterbosch schnappte ihm Platz 3 denkbar knapp weg. In der letzten Schikane hatte der Niederländer zugeschlagen. «Da muss ich mir auch ein wenig an die eigene Nase packen», offenbarte Bühn anschließend. «Ich hätte die Linie enger wählen müssen. Dafür hat endlich mal mein Start gut geklappt.»

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

FW-Fotografie & Design // Foto Felix Wiessmann

In Lauf 2 ging Jan Bühn wieder mit ordentlich Schwung an die Sache heran und wieder fand er sich in einer wilden Gruppe wieder. Am Ende brachte es ihm Rang 5 ein. Bis an die Spitze der Verfolger hatte sich Bühn durchgewühlt und dürfte an dem IDM-Wochenende der Pilot mit den meisten Überholmanövern gewesen sein. «Aber ich habe ein wenig zu lange gebraucht, bis ich durch die Gruppe durch war», lautet seine Analyse. «Der Rennabbruch hat für mich jetzt nichts ausgemacht. Ich hätte die Lücke zu den Vorderen in den letzten beiden verbleibenden Runden nicht mehr zufahren können. Daher habe ich mit Platz 5 das Maximum rausholen können und meinen dritten Platz in der Meisterschaft nach dem Wochenende erfolgreich verteidigt.»

Arnaud Friedrich hatte in Schleiz mit einem Sturz und einer Magenverstimmung nicht seine beste Leistung abliefern können, präsentierte sich in Assen aber wieder in alter Frische. «Klar hat mich das Schleiz-Wochenende schon ein wenig genervt», gibt er zu. «Aber inzwischen sind alle Wunden verheilt und das Wochenende ist abgehakt.» In Assen zählt für den Teenager vor allem die gute Abstimmung, damit er die Linie seiner Wahl halten kann. «Ausserdem bin ich in Assen noch nicht viel Kilometer gefahren», erzählt er. «Es gibt hier schon ein paar spezielle Ecken, wo man ein wenig Übung braucht. Abends konnten wir ja immer noch die Daten von mir und meinen Kollegen vergleichen. Vor allem auf die Gegengerade raus muss man es richtig erwischen.» Das zweite, und nach dem verregneten ersten entscheidende, Training wurde für Friedrich zu einer harten Prüfung, die für ihn auf dem 30. Startplatz endete. Bei den extrem gemischten und damit schwer einzuschätzenden Bedingungen der ersten Trainingsminuten war Friedrich in einer Kurve auf eine Stück nassen Asphalt geraten und bezahlte den Vorwärtsdrang mit einem Sturz. Er selbst blieb unbeschadet, aber die BMW musste nach dem Training erst zum Kundendienst in die Van Zon-Remeha-BMW Box. Aufholjagd hiess es dann für den Teenager in den beiden Rennen.

Die Schlappe aus dem Training hatte Friedrich abgehakt und machte sich in beiden Rennen auf, das Maximum aus sich und seiner BMW herauszuholen. Was ihm auch bestens gelang und er sich für diese Leistung mit zwei Top-15-Plätzen und damit mit Meisterschaftspunkten sich selbst und seine Mannschaft belohnte. «Jetzt ist meine Laune wieder besser», bestätigte er auch anschließend. «Ich war echt schnell an der Gruppe vor mir dran und bin dabei Zeiten gefahren wie die Top Ten. Im ersten Renne musste ich am Ende etwas abreissen lassen, da der Reifen nicht mehr ganz so war wie zu Beginn. Im zweiten Lauf lief es ebenfalls gut. Der Rennabbruch hat mich dann überrascht und mein Plan ging nicht ganz auf. Ich hatte mich schon an Florian Alt und Dominic Schmitter rangearbeitet, doch dann kam die rote Flagge.»

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM - Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

11.-13.08.2017 TT Circuit Assen IDM – Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft

Für das Team Van Zon-Remeha-BMW geht es von Assen gleich weiter in Richtung Lausitzring, wo alle vier Piloten bei der IDM Superbike dabei sind und IDM-Leader Markus Reiterberger zusätzlich noch mit einer Wildcard beim WM-Lauf zeigen will, was er kann.

 

Ergebnis Qualifying/Startaufstellung

1 1.40,773 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 1.42,249 Danny de Boer (NL/BMW)
3 1.42,677 Pepijn Bijsterbosch (NL/BMW)
10 1.43,653 Jan Bühn (D/BMW)
30 1.53,124 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 1

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Florian Alt (D/Yamaha)
3 Pepijn Bijsterbosch (NL/Yamaha)
4 Jan Bühn (D/BMW)
12 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Ergebnis Rennen 2

1 Markus Reiterberger (D/BMW)
2 Danny de Boer (NL/BMW)
3 Pepijn Bijsterbosch (NL/Yamaha)
5 Jan Bühn (D/BMW)
15 Arnaud Friedrich (D/BMW)

Punktestand nach 8 von 14 Rennen

1 195 Punkte Markus Reiterberger (D/BMW)
2 108 Punkte Danny de Boer (NL/BMW)
3    99 Punkte Jan Bühn (D/BMW)
14 25 Punkte Arnaud Friedrich (D/BMW)

 

Riders quote IDM Assen: