Man möchte schreiben „das Wochenende auf dem Sachsenring“, aber Moment einmal – der zweite Lauf der auf vier Events gekürzten IDM-Saison 2020 fand ja gar nicht an einem Wochenende statt… Die Internationale Deutsche Meisterschaft gastierte, was sehr ungewöhnlich ist, an einem Montag und Dienstag auf dem legendären Rennkurs in Sachsen. Da aber keine Zuschauer erlaubt waren und die Veranstaltung in der so-genannten „IDM-Blase“ stattfand, war das kein Problem. 
 

Man kann nicht sagen, dass Ilya Mikhalchik (UKR), Tim Eby (GER), oder Vladimir Leonov (RUS) am Trainings-Montag Langeweile hätten entwickeln können. Nach zwei freien Trainings am Vormittag, fanden am Nachmittag gleich die beiden Qualifikationsläufe statt. EGS-alpha-Van Zon-BMW Neuzugang Vladimir Leonov konnte sich, direkt hinter Sachsenring-Ass und Ex-MotoGP Fahrer Jonas Folger (Bonovo Action by MGM Racing) auf den zweiten Startplatz qualifizieren. Der zweifache deutsche Meister Ilya Mikhalchik musste sich, nach seiner letztjährigen Dominanz in der Serie, mit dem sechsten Startplatz zufrieden geben und gibt zu, dass die Strecke nicht so einfach zu lernen ist. Dennoch hat der 24-Jährige großen Spaß und genießt es, dass er es in dieser Saison mit starken Konkurrenten aufnehmen muss. Wieder zurück im Team ist Tim Eby, der nach einer Verletzung in der Vorsaison beim ersten Lauf auf dem TT Circuit in Assen aussetzen musste und nur Zuschauer war. Eby qualifizierte sich auf die 23. Startposition. 

 

Das Warm up am Dienstagmorgen fand bereits 8:30 Uhr statt, entsprechend kühl waren daher auch noch die Bedingungen. Ins Rennen eins starteten die EGS-alpha-Van Zon-BMW Teamfahrer 12:00 Uhr unter deutlichen sommerlicheren Umständen. Nach nur zwei Runden musste das Rennen allerdings durch die rote Flagge abgebrochen werden, da SBK 1000 – Mistreiter Philipp Gengelbach (TEAM Gengelbach Motorsport HSR Racing Team) unglücklich auf der Strecke gestürzt war und seine Suzuki dabei Feuer fing. Das neu gestartete Rennen ging dann über 14 Runden, die für Vladimir Leonov wohl am ereignisreichsten waren. Er fuhr einen harten Kampf mit Dominic Schmitter (TEAM HESS Racing) und Florian Alt (TEAM Wilbers-BMW-Racing) um den dritten und damit letzten Podiumsplatz, ging am Ende aber mit Position vier ganz knapp leer aus. Ilya Mikhalchik hatte im ersten Rennen heute leider nicht so viel Glück. Er schaffte es, sich im Verlauf des Rennens an die Gruppe, die um Platz drei kämpfte, heran zu fahren und schien eine gute Chance auf einen Podiumsplatz zu haben, als er technische Probleme mit seiner BMW S 1000 RR zu beklagen hatte und auf Position neun zurück fiel. Den neunten Platz konnte der Ukrainer dann bis ins Ziel retten. Tim Eby hat sich in seinem ersten Rennen der Saison 2020 wacker geschlagen. Auch wenn es ein einsames Rennen war, konnte er doch drei Positionen nach Start gut machen und kam als Zwanzigster ins Ziel. 

 

Am Nachmittag, um 15:30 Uhr fand das zweite Superbike 1000 – Rennen statt. Vladimir Leonov startete dieses durch den „Reverse Grid“ von Pole Position und kam beim Start gut weg. Ilya Mikhalchik startete erneut von Position sechs und Tim Eby von Position 23. Trotz des neunten Startplatzes lag der deutsche Sachsenring-Experte Jonas Folger in der zweiten Kurve schon in Führung. In Runde drei waren Mikhalchik und Leonov auf den Positionen zwei und drei. Ein wilder Positionstausch und Kampf um die beiden verbliebenen Podiumsplätze fand zwischen Leonov, Mikhalchik, Dominic Schmitter, Florian Alt und Marc Moser (TEAM Bonovo Action by MGM Racing) statt. Die Positionen wurden über die 18 Rennrunden hin und her getauscht. Am Ende waren es Ilya Mikhalchik (P2) und Vladimir Leonov (P3), die aus diesem Kampf als Sieger hervor gingen. Tim Eby hat an diesem Wochenende wichtige Erfahrungen sammeln können. Er beendete das zweite Rennen in Position 21. Für Eby war dieses Wochenende die Bestätigung, dass er seine Verletzung gut weg gesteckt hat und auch am kommenden Wochenende am Lausitzring wieder Gas geben kann. 

 

Das waren zwei schwierige IDM-Tage auf dem Sachsenring für das EGS-alpha-Van Zon-BMW Team. Aber die harte Arbeit dieser beiden Tage hat sich ausgezahlt und das Team darf zwei Pokale mit zum Lausitzring nehmen, wo die Meisterschaft in nur zwei Tagen, vom elften bis 13. September fortgesetzt wird. 

 

Ilya Mikhalchik #1:
„Das waren keine einfachen IDM-Tage für mich. Ich hatte zuerst ganz schön mit der neuen Rennstrecke zu kämpfen. Das Motorrad und auch ich waren noch nie hier. Die Strecke ist nicht unbedingt zum schnell fahren geeignet, man braucht eine wirklich gute Linie, um hier schnell zu sein. Wir hatten nicht sehr viel Zeit uns vorzubereiten. Nach den Trainings kamen sofort die Qualifikationen. Deshalb war es nicht so einfach ein gutes Set up zu finden. Daher bin ich umso glücklicher, dass wir im zweiten Rennen auf dem Podium ins Ziel gekommen sind. Im ersten Rennen hatte ich ein paar technische Probleme. Sowas passiert im Rennsport. Da kann man nix machen. Ich hoffe jetzt, dass ich auf dem Lausitzring etwas mehr Glück in beiden Rennen habe und da auch wieder mit ums Podium kämpfen kann.“

 

Tim Eby #17: 
„Ich bin ziemlich froh, dass alles so gut gelaufen ist und ich vom ersten Training an so wenig Probleme mit meiner Hand hatte. Ich konnte gut mithalten. Ich hab mich auch wirklich gut auf dieses Wochenende vorbereitet, dass ich körperlich fit bin. Das Qualifying ist schon ganz gut für mich gelaufen. Im Rennen konnte ich mich auch noch einmal steigern. Mir haben die beiden Tage auf dem Sachsenring viel Spaß gemacht und ich kann für mich selbst viel Positives mitnehmen. Ich freue mich auf den Lausitzring und hoffe, dass ich am kommenden Wochenende dort schneller fahren kann, als beim Test vor Saisonbeginn.“

 

Vladimir Leonov #65:
„Das war ein wirklich schwieriges Wochenende für uns. Ich bin zwar schon einmal auf der Strecke gefahren, aber das ist zehn Jahre her und war zu Beginn meiner Karriere und nichts ist mehr so wie damals! Die Strecke ist ganz anders. Ich erinnere mich nur noch sehr wenig daran. Das Training lief daher ganz gut, ich konnte mich gut in den ersten Positionen halten. Wir haben ein paar gute Anpassungen am Bike machen und das Set up verbessern können. Beim ersten Rennen habe ich das Podium dann leider ganz knapp verpasst. Wichtig war dann nur, dass ich das Rennen beende und wir unseren Fokus danach auf das zweite Rennen legen. Im zweiten Rennen war es nich einfach für mich. Wir waren alle auf einem ähnlichen Niveau und das hat mich ganz schön unter Druck gesetzt. Ich habe dann auf die letzten paar Runden gewartet und habe dann versucht einfach noch etwas mehr Gas zu geben. In den letzten zwei Runden konnte ich dann noch ein bisschen mehr aufdrehen und bin am Ende endlich auf dem Podium angekommen. Ich danke meinem Team für die harte Arbeit dieses Wochenende. Wir haben super zusammen gearbeitet, auch mit Ilya und haben uns gegenseitig sehr geholfen. So können wir viel erreichen. Ich bin sehr glücklich.“

 

Werner Daemen, Team Manager:
„Mit der Leistung der Fahrer bin ich wirklich zufrieden. Das war kein einfacher Event für uns hier auf dem Sachsenring. Für zwei von unseren drei Fahrern war diese Rennstrecke Neuland. Vladimir und Ilya sind richtig gut gefahren, besonders heute. Ich freue mich auch, dass Tim nach seiner Verletzung wieder zurück ist und mit wirklich guter Leistung an seine Ergebnisse bei den Vorsaison-Tests anknüpfen konnte. Ich muss zugeben, dass Jonas einfach unschlagbar war. Er ist heute hier zwei richtig starke Rennen gefahren und mit diesem Background muss ich sagen, fühlen sich der zweite und dritte Platz eher wie ein Sieg an.“